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Abseits ausgetretener Touristenpfade 2006

 

 

 

Klicken Sie einfach auf das Sie interessierende Detail und Sie erhalten Detailkarten und ein Roadbook der von uns gefahrenen Strecken

1. Messumkrater

2. Ugab Huab

3. Hoanib - Hoarusib

4. Hoarusib Flussaufwärts

5. Nyae Nyae Konzession

6. Kaudom

7. Seronga - Selinda Spilllway

8. Linyanti - Konzession - Kasane

9. Chobe - Ngwezumba - Savuti - Khwai

 

Blaue Linie ist unsere Tour 2006

 

Blaue Linie ist unsere Tour vom 7. November 2006 bis 5. Dezember 2006

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Dienstag, 07. November 2006

 

Anfangskilometerstand 81.522, Endkilometerstand 89.487, gefahrene KM 7.965

 

Sandpipercrescent – Springbok - Steinkopf

 

Gute Pad oder Lekker Pad!

Das ist der Gruß unter den Reisenden.

Denn die Straßenverhältnisse sind mit das Wichtigste bei einer Tour.

 

Unsere Informationen beziehen wir wie gewöhnlich aus dem Radio, Internet und Fernsehnen, sowie Reiseführer von Namibia Namibia (Edition Erde Reiseführer), Baedeker, Edition Erde Verlag, Botswana Hupe Verlag, geologisches Handbuch „Namibias faszinierende Geologie, N. Grünert“, Klaus Hess Verlag und ein Sternekompass von GU.

Die Packerei findet ein Ende bevor sie anfängt richtig zu nerven. Um 9 Uhr 30 starten wir am Sandpipercrescent. Das GPS hat im Gegensatz zu uns

 

 

Kurz vor Abfahrt in Flamingo Vlei

Getreidepakete bei Morresburg

 

 

Startschwierigkeiten und der erste technische Defekt holt uns ein, während wir Table View noch nicht verlassen haben. Ohne Umschweife leihen uns Maria und Sepp www.photo-obsession.com ihr Zweitgerät. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir auf der Küstenstraße in Richtung Norden und N7.

Im Westerncape wächst das Getreide im Winter, denn nur in dieser Zeit regnet es ausreichend. Kurz vor der Gluthitze des Sommers ist das wertvolle Korn bereits abgeerntet. So sind kilometerweit nur noch die Stoppelfelder zu sehen, einzelne Kühe stehen einsam auf den Äckern. Bei Morresburg wird das Korn in überdimensional große Plastiksäcke eingetütet. Die Getreidepakete liegen als lange weiße Würste auf den Feldern.

Am Anstieg zum 519 Meter hohen Piekenaarsklofpass wandert die Nadel der Temperaturanzeige des Landys wieder zügig in den roten Bereich. Das beunruhigt Uwe sehr, denn dieses Problem beschäftigt uns nun schon bald zwei Jahre.

Auf der Höhe von Lambertsbay endet die vegetationsreiche Zone entlang des
Olifants Flusses und das Namakwa (früher Namakwaland) beginnt. Der halbwüstenartige Landstrich erstreckt sich auf eine Fläche von 48 000 km². Nach den Regenfällen im Winter kann man entlang der N7 und bei Springbok die Wildblumenblüte erleben. Der Ort Springbok liegt 1000 Meter hoch, hat 8000 Einwohner und trägt seinen Namen nach den früher hier zahlreich vorkommenden Springböcken. Die Stadt ist das Zentrum der umliegenden Farmen und der Kupfer- und Diamantminen.

Nach einer Strecke von 607 Kilometern campieren wir kurz vor Steinkopf auf einer Erhöhung. Von diesem Steinplateau bietet sich uns ein schöner Rundblick. Dem unglaublich heißen und windigen Tag folgt ein ruhiger angenehmer Abend am Lagerfeuer.

 

 

Clanwilliamdamm

Buschcamp nahe Steinkopf

 

 

Uwe werkelt am Landy und entfernt das Mückengitter vor dem Kühler. Es schützt die Lamellen vor Verschmutzungen. Vielleicht hält das Gitter aber auch zuviel Frischluft ab.

 

Astronomisches Betthupferl

Ein zauberhafter Sternenhimmel steht über uns. Der Sage nach wehrt der Himmelsjäger Orion, begleitet von zwei Hunden, mit seinem Schild den angreifenden Stier Taurus ab. Gleichzeitig stellt er den sieben Töchtern des Riesen Atlas nach. Die Plejaden sind unter dem Namen Siebengestirn bekannt.

 

Mittwoch, 08. November 2006

 

Steinkopf – Ai Ais

 

Am Morgen ist es mit Aufgang der Sonne schon warm und bald setzt auch der heiße Wind wieder ein.

An der die Grenze zu Namibia entrichten wir die Straßengebühr von 140 Rand und fahren in Richtung Orangefluss. Wir möchten unseren schönen Campingplatz vom letzten Jahr aufsuchen.

 

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1. Messumkrater

2. Ugab Huab

3. Hoanib - Hoarusib

4. Hoarusib Flussaufwärts

5. Nyae Nyae Konzession

6. Kaudom

 

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Am Orange angekommen staunen wir, das Wasser ist bei den letzten Regenfällen so hoch gestiegen, dass von unserem schönen Platz nichts mehr zu sehen ist. Die Bäume sind ausgerissen und in tiefen Ausspülungen steht trübes Wasser. So bleibt es bei einem kurzen, erfrischenden Bad an einer anderen Stelle im Fluss und die Reise geht weiter durch die schöne Schlucht des Gamkab.

An einigen Stellen in der problemlos zu befahrenden Schlucht befinden sich noch kleine Pfützen. Dieses abgestandene Wasser schimmert in vielen Farben und riecht stark nach verfaulten Eiern. Der Weg stößt aus der Schlucht kommend auf die D 316 und diese mündet in die C 10. Die letzten Kilometer nach Ai –Ais führen durch eine karge hügelige Mondlandschaft. Das Tal empfängt uns mit einer Gluthitze. Ai –Ais liegt am südlichen Ende des Fisch River Canyons. Die Quellen wurden von einem Nama entdeckt. Heiß wie Feuer nannten die Nama den Ort.

 

 

Ein letztes kühlendes Bad im Orange

Ai Ais - Wasser so heiß wie das Feuer

 

 

Die Nama oder Khoikhoin, (die Benennung Hottentotte ist mittlerweile unüblich), sind eng verwandt mit den San. Beide Gruppen verwenden in ihrer Sprache die Schnalz- und Klicklaute. Wobei die San früher von der Jagd lebten und die Nama traditionell halbnomadische Hirten waren.  

Die Lufttemperatur von 39 Grad im Schatten wird nur von heißen Thermikblasen unterbrochen, sie fegen im 15 Minutentakt über den Campingplatz von Ai Ais. Das mineralhaltige Wasser der Quelle von Ai - Ais steigt mit einer Temperatur von 60 Grad an die Erdoberfläche. Etwas abgekühlt gelangt es in den großen Außenpool. Die Wassertemperatur des Schwimmbeckens soll bei 35 Grad liegen. Langsames Aufwärmen ist anempfohlen, so dass der Kreislauf keinen Schock bekommt. Nach wenigen Minuten ist meine Haut rot wie ein gekochter Hummer und mein Herz pocht schnell. Völlig ermattet steige ich aus dem heißen Nass und empfinde die Außentemperatur kühl, allerdings schwindet der Eindruck nach wenigen Minuten. Wer an so heißem Badewasser kein Vergnügen findet, kann hier Tennisspielen oder auf die umliegenden Berge wandern. Bei dieser Hitze heute aber wohl auch kein großes Vergnügen.

Die Vögel am Platz haben wenig Scheu und sie erforschen sofort, ob sich bei uns nichts Fressbares findet. Die Tüte mit den Keksen im Auto bleibt nicht lange unentdeckt, und ehe sie völlig geplündert wird, verstauen wir sie unerreichbar.

Unermüdlich zwitschern und fliegen die Vögel umher, während unsere Aktivitäten völlig zum erliegen kommen.

 

Astronomisches Betthupferl

Der Himmelsjäger Orion ist leicht zu finden. Seinen Gürtel stellen drei Sterne dar. Dazu die Sterne Beteigeuze als Schulterstern und Rigel als linkes Bein lassen den Jäger der griechischen Sage, gefolgt von seinen zwei Hunden klar aus dem Sternendurcheinander hervortreten. Der kleine Hund ist nicht sehr auffällig, der Hauptstern heißt Procyon. Der große Hund ist unschwer an dem hellen Fixstern Sirius zu erkennen.

 

Donnerstag, 09. November 2006

 

Ai Ais – Sesriem – Sossusvlei

 

Die Nacht war warm und die Kühle am Morgen ist auch jetzt nur eine kurze Empfindung, als wir aus dem brühheißen Pool kommen. Wir fahren nach Hobas und genießen den Blick vom Aussichtspunkt. Der Fluss führt derzeit kein Wasser.

Der Fischfluss entspringt im östlichen Naukluft Gebirge. Bis zur Einmündung in den Orange legt er 650 Kilometer zurück.   

 

 

Fish River Canyon

Bäckermeisterpaar aus dem Allgäu

 

 

Die besondere geologische Situation des Fischriver Canyons besteht darin, dass es sich um einen Canyon in einem Canyon handelt. Der obere breite Canyon entstand durch eine Absenkung. In diesem breiten Tal grub sich der Fluss immer tiefer, und schuf so den schmaleren, tiefen Canyon. Bis zum Ende der Schlucht bei Ai- Ais ist der Canyon 90 Kilometer lang und an der breitesten Stelle mißt er 27 Kilometer. Die Höhe beträgt bis zu 549 Meter. Der Abstieg von Hikerpoint in die tiefe Schlucht, ist in der Sommerhitze nicht erlaubt.

Die ältesten Gesteine im Canyon sind mehr als 1,5 Mrd. Jahre alt. Die Gondwana Eiszeit beeinflusste die Bildung des Canyons ebenso, wie das endgültige Auseinanderbrechen des Gondwana Kontinents vor 120 Mio. Jahren.

Am Rückweg nach Hobas ereilt uns eine Überraschung. Wir treffen zufällig das Bäckermeister Ehepaar aus dem Ort, in dem ich arbeite. Die ungeplante Begegnung freut uns sehr.

Auf der C 12 über Seeheim und weiter auf dem Teerband der B 4 und der C 14, erreichen wir Bethanie. Der Ort liegt 1000 Meter über Meer, in der Karasregion. Er wurde 1814 von dem Missionar Heinrich Schmelen (1776-1848) gegründet und ist eine der ältesten Siedlungen in Namibia. Nachdem der Missionar hier 14 Jahre tätig war, übernahm die Rheinische Mission die Aufgabe von Heinrich Schmelen.

Da wir unsere Beine bewegen wollen, sehen wir uns in Bethanie um. Das Schmelenhaus beherbergt ein kleines Museum und im Ort befindet sich auch das Frederickshaus. Hier schloss der Namaführer Joseph Fredericks einen Vertrag mit Heinrich Vogelsang. Dabei ging die heutige Lüderitzbucht im Umkreis von 5 Meilen an Adolf Lüderitz. Ein Jahr später einigte sich Fredericks hier in Bethanie mit dem Vertreter der Deutschen Kolonialmacht auf einen Schutz- und Freundschaftsvertrag.

Damit Uwe und ich keinen „Bärtigen Krieg“ bekommen, suchen wir in den kleinen Supermärken nach einem Rasierpinsel für Uwe. Der andere ist irgendwo stehen geblieben. Erfolglos fahren wir weiter nach Helmeringshausen.

Hier gibt es neben einer Tankstelle auch ein Freilicht Museum mit landwirtschaftlichen Geräten aus früheren Zeiten. Das Hotel in Helmeringshausen ist mittlerweile ein freundlicher Einkehrplatz und wir freuen uns, in diesem Ort, der uns vor einigen Jahren noch völlig trostlos erschien, eine schöne Rastmöglichkeit zu finden.

Auf halber Strecke nach Maltahöhe biegen wir links ab auf die D 831. Kurz vor dem Tsarispass trifft die Piste wieder auf die C 14. Am Ende dieses langen Fahrtages erscheint es uns dann nur noch wie ein Katzensprung bis nach Sesriem.

 

 

Im Maurischen Stil wie aus 1001 Nacht

Unterm Cameldornbaum im Sesriemcamp

 

 

Durch tiefen Sand steuern wir, den uns zugewiesenen Standort unter einem großen Kameldornbaum an. Heiße Thermikblasen fegen über den Platz, sie sind mit reichlich Sand durchsetzt. Obwohl wir bei jeder nahenden Böe unsere Teller abdecken, knirscht das Essen doch sandig zwischen den Zähnen.

Morgen früh wollen wir gegen 5 Uhr zu den Dünen, um auf „unsere“ Düne zu gehen. 1999 haben wir sie bestiegen, allerdings starteten wir das Unternehmen an einem Nachmittag und es herrschte Gluthitze. Wir glaubten uns damals bereits oben angekommen, als sich erst die letzte Sichel der Düne zeigte. Dieser hoch aufragende Kamm war von unten nicht zu sehen, und uns fehlte die Zeit für den letzten Anstieg.

 

Astronomisches Betthupferl

Einst bedrängte Orion auch die Göttin Artemis. Doch er rechnete nicht mit den Göttern. Sie sandten ihm den Skorpion, er sollte Orion töten. Dann schickten die Götter beide an den Himmel und trennten sie für alle Zeiten. Erst wenn Orion unter geht, steigt der Skorpion am Sternenhimmel auf.

 

Freitag, 10. November 2006

 

Sesriem – Kuiseb -Vogelfederberg

 

Autotüren gehen auf und das Geräusch von bewegten Reisverschlüssen dringt an unsere Ohren. Der ganze Campingplatz kommt in Bewegung und strebt in Richtung Sossusvlei.

 

 

Früh am Morgen zum Sossusvlei

Unsere Düne im Hintergrund

 

 

Es ist noch stockfinster, als wir ohne Frühstück losfahren.

Während der 65 Kilometer bis zu den Dünen dämmert es, und die Sonne geht auf. Der Weg folgt mehr oder weniger dem Tsauchab, der aus dem 3 Kilometer langen und bis zu 30 Meter tiefen Sesriemcanyon kommt.

Als vor 2 Millionen Jahren auf der Nordhalbkugel Eiszeiten einsetzten, banden sie immer größere Mengen Meerwasser an ihre Eismassen, das hatte eine globale Meeresspiegelabsenkung zur Folge. Das höhere Gefälle bedeutete für viele Flüsse eine schnellere Fließgeschwindigkeit des Wassers und in Folge davon entstanden tiefe Schluchten. So soll sich auch der Tsauchab den Sesriemcanyon gegraben haben.

Der Name der Schlucht " Sesriem" findet seine Begründung darin, dass früher sechs Riemen eines Ochsenwagengespannes aneinander geknotet notwendig waren, um einen Kübel Wasser aus der Schlucht hoch zu holen. Die Schlucht ist von Weitem nicht zu erkennen und ihre Tiefe verliert sich schnell auf dem Weg in das 60 Kilometer entfernte Sandmeer des Sossusvlei. Wenn das Revier abgeht, so kommt es spätestens dort zum Stillstand, denn der oberflächliche Weg zum Meer ist dem Fluss auf alle Zeiten durch die hohen Dünenzüge der Wüste Namib versperrt.

Das Sossusvlei ist eine Tonpfanne und der Endsee des Tsauchab. Es wird vermutet, dass das versickernde Wasser des Tsauchab unterirdisch in den alten Fließwegen abfließt. Somit könnten sich verschiedene Süßwasseraustritte an der Küste erklären.

Mit dem anbrechenden Tag erwacht das Licht- und Schattenspiel in den Dünenbergen, es ist beeindruckend.

 

 

Die Anführerin und

der Nachzügler auf gespurtem Kamm

 

 

Der Landy wird unter einem großen Kameldorn geparkt und wir machen uns auf den Weg. Uwe schleppt die schwere Fototasche mit sich, ich bin für die Getränkeversorgung zuständig und trete die Spur in den scharfen Kamm der Düne. Ein Schritt vor und zwei zurück. Ein stürmischer Wind setzt ein und da er von vorne kommt, erleichtert er uns den Aufstieg nicht. Nach mehr als zwei Stunden stehen wir erschöpft am höchsten Punkt und genießen den weiten Blick über das Dünenmeer.

 

 

Aufstieg im Sandsturm

Bald Geschafft ?!

Ferner Blick über das Dünenmeer

Selbst der Abstieg gestaltet sich Schweißtreibend

 

 

Die einzigartigen Sterndünen entstehen durch ständige gleichstarke Winde aus verschiedenen Richtungen. Der Abstieg ist weniger anstrengend, aber die ersten Druckstellen in den neuen Schuhen machen sich bemerkbar. Am Auto angekommen rieselt reichlich Sand aus den Bergstiefeln. Wir sind durstig und wollen unsere Flaschen hinten am Zapfhahn auffüllen. Die Wildbienen haben zwischenzeitlich spitzgekriegt, dass der Hahn tropft und eine ganze Schar der friedlichen Honigsammlerinnen labt sich genüsslich an dem frischen Nass.

 

 

Die Bienen laben sich

Im Flug an Düne45 vorbei

 

 

Unser verdientes Frühstück nehmen wir am Fuß der Dünen im Zentrum des Sossusvleis zu uns. Es sind einige Besucher im Vlei, das beeinträchtigt aber die schöne Stimmung nicht und wir genießen diese faszinierende Landschaft.

Unser Frühstück bleibt von den Vögeln nicht unbeobachtet und ohne Scheu kommen sie bis auf den Tisch. Auch sie entdecken schnell den tropfenden Hahn am Auto und ein aufgeregtes Bemühen um jeden Wassertropfen entsteht. Neben den vielen Vögeln leben in dem Gebiet zwischen den Dünen und Sesriem etliche Springböcke und Oryxantilopen.

Nachhaltig beeindruckt von der zauberhaften Dünenlandschaft, machen wir uns auf in Richtung Swakopmund. Wir folgen der C 14 nach Solitär, wo es an der Tankstelle „lekker“ Apfelkuchen vom Blech gibt. In Richtung Kuisebcanyon führt die C 14 fast ausnahmslos durch eine faszinierende Hügellandschaft. Besonders bei der tief stehenden Sonne kommen die Farben der Gegend so richtig zur Geltung. Wir campieren etwa 10 Kilometer vor dem Vogelfederberg über einer unbedeutenden Salzpfanne.

Der Platz ist völlig ruhig und die Sterne wieder einmal zum greifen Nahe. Oder doch nicht?

 

Astronomisches Betthupferl

Der Sirius ist 8,9 Lichtjahre, der Procyon ist 11 Lichtjahre, die Beteigeuze 470 und der Riegel 1300 Lichtjahre entfernt. Diese unvorstellbar großen Entfernungen kann das menschliche Auge nicht mehr räumlich wahrnehmen und unterscheiden.

 

Samstag, 11. November 2006

 

Vogelfederberg –Swakopmund – Messumkrater

 

Die Sandrose ist ein Gipsmineral und Gips wird zu den Salzen gezählt. Meerwasser enthält gelösten Gips und wo viel Meerwasser verdunstet, kommt es zur Auskristallisation dieser Salze. Zusammen mit Sand, um den die Gipskristalle herum wachsen, entstehen die abwechslungsreichen Formen der Sandrosen. Auch bei Swakopmund soll es diese Kristalle geben.

 

Auf der bestens präparierten Piste erreichen wir Walvis Bay. 1487 war Bartholomäus Dias im Auftrag der Europäischen Kolonialmächte unterwegs. Er suchte einen Seeweg nach Indien und landete als erster Europäer hier.

 

 

Dem Küstennebel entgegen

Mystische Stimmung

Hier wird Guano abgebaut

Ob da hinten die Welt unter geht?

 

 

Die einst reichlich vorgekommenen Wale gaben der Stadt ihren Namen. Der Southern Right Wal, ein Bartenwal, war für die Walfänger früher eine leichte Beute, da er meist in Küstennähe schwamm. Von den Fangbooten aus wurden die großen, behäbigen Tiere harpuniert und konnten dann bequem an das Ufer geschleppt werden. Im Zuge des technischen Fortschritts waren 1935 die Wale fast ausgerottet. Daraufhin beschloss eine internationale Konvention den Schutz der Tiere. Von Juni bis November ziehen die großen Säugetiere in die Buchten von Südafrika um dort ihre Jungen zu bekommen.

Whalewatching ist mittlerweile eine Attraktion für Touristen. Wir bekommen keine Fontänen zu Gesicht, was aber auch an der Witterung liegen kann. Der Küstennebel hat uns fest im Griff und lässt uns nicht mehr los. Ernsthaft regnen soll es aber nur an 10 Tagen im Jahr.

Auch in Swakopmund hängt der Himmel tief. Das beeindruckt aber die Bewohner in dem kleinen schmucken Städtchen mit der spürbaren deutschen Vergangenheit nicht negativ. Das Wetter ist in einem Land, in dem eigentlich fast immer sehnsüchtig auf Regen gewartet wird, Thema Nummer eins.

Viele Windhuker kommen hierher und verbringen ihren Urlaub in der angenehmen Kühle Swakopmunds. Da die Temperaturen in Windhuk, der Hauptstadt des Landes, die auf 1600 Höhe liegt oft bis auf 36 Grad ansteigen.  

Der Swakop Fluss, der dem Ort seinen Namen gibt, ist 675 Kilometer lang und wenn das Rivier abgeht, dann bringt er unendlich viel angesammelten Unrat mit sich. Namensforschungen haben ergeben, dass oft eine Naturbeobachtung für die  Benennung zuständig war. Wird der Name Swakop in die Khoekhoe-Sprache zurückgeführt, bedeutet er etwa soviel wie „ am Ende entleeren“.

In der Stadt ist es nicht erlaubt Hochhäuser zu bauen und somit bestimmen immer noch die Gebäude aus der kolonialen Vergangenheit das Stadtbild.

Schon von weitem ist der Turm des Woermannhauses zu sehen. Dieser Turm wurde 1905 angebaut und diente der Schifffahrtsgesellschaft als Aussichtsturm. Keinesfalls darf man es auslassen einen Stadtspaziergang zu machen. In Swakopmund ist neben perfekten Einkaufsmöglichkeiten gutes Essen ebenso gesichert, wie ausgefallene Souvenirs in Peter`s Antik Laden. Aber nur in der Apotheke gibt es einen Rasierpinsel, Marke ROYAL. Was tut „Mann“ nicht alles um den häuslichen Frieden zu sichern. Edel und passend zum Landy ist der Pinsel auch MADE in United Kingdom.

Wir verlassen die Stadt nordwärts und passieren den Ferienort Wlotzkasbaken. Bei der Herkunft des ungewöhnlichen Namens vermischen sich in zwei Geschichten Legende und Wahrheit.

Wlotzka, lebt als Armer und sammelt Strandgut. Er hat den Ruf eines Trunkenboldes und seine Hunde ruft er Gin und Whisky. Eine Hütte aus Strandgut ist seine Unterkunft und er lebt bis zu seinem Ende dort...

Die zweite Geschichte entstammt einer Schrift um 1910, die den Deutschen Paul Wlotzka aus Ostpreußen, als ortskundigen und tatkräftigen Führer erwähnt... nun bleibt wieder Raum für die Phantasie.

Für uns geht es zurück in die Realität. In Hentjesbay, an der Mündung des Omaruru füllen wir alle Kanister und 900 Rand wechseln den Besitzer. Die Gegend ist wüstenhaft und es erstaunt uns sehr, dass es hier einen 14-Loch-Golfplatz gibt und die „Greens“ sind, wie der Name sagt, grün.

Bevor wir in das Landesinnere aufbrechen, nimmt Uwe dem schlechten Wetter zum Trotz, ein kaltes Vollbad im Atlantik, während ich mich damit begnüge die Zehen in das kalte Nass zu halten.

 

 

Ein kühlendes Bad im Atlantik

Wie ein Käfer mit riesigen Fühlern

 

 

Die Fischer haben ihre meterlangen Angeln, zum Transport, vorne auf die Autos montiert, so sehen die Fahrzeuge wie Riesenkäfer aus. 

Wer mit Robben auf Tuchfühlung kommen will, der muss die Robbenkolonie am Cape Cross besuchen. Da sich das Wetter nicht zum Fotografieren eignet, und wir die Kolonie schon oft gesehen haben, lassen wir die Robben in der Tat links liegen und biegen rechts ab, auf den unscheinbaren Weg in Richtung Messumkrater.

Zwischen Cape Cross und den Ausläufern des Messumkraters halten sich Schakale auf. Auch viele Springböcke leben in diesem Gebiet und sie erfreuen uns mit ihren lustigen Bocksprüngen. Aber die Tiere sind extrem scheu und suchen stets eine große Distanz zu uns. Von der Straße bis zum Kraterrand sind es etwa 32 Kilometer. Viele große Exemplare der Welwitschia mirabilis liegen wie grüne Tupfer in der derzeit vegetationslosen Gegend.

 

 

Welwitschia mirabilis

Kurz vor dem Kraterrand

 

 

Pünktlich zum Sonnenuntergang fahren wir in den Krater ein. Das Kraterinnere hat einen Durchmesser von 21 Kilometern und eine Hügelkette umgibt die weite Ebene. Ein heller Flaum von verblühtem Gras überzieht die leicht abfallende Fläche, das ist ein herrliches Bild.

Schilder weisen immer wieder darauf hin, wie empfindlich die Vegetation im Krater ist und dass man sich auch unbedingt daran halten soll, auf den gekennzeichneten Wegen zu bleiben.

Vor mehr als 120 Millionen Jahren hat der Messumvulkan gespuckt. Verwerfungen und Erosionen haben eine faszinierende Landschaft geschaffen. Diese wird nun vom Licht der untergehenden Sonne mit weichen gelben und roten Farben bemalt.

Kurze Zeit später legt ein kalter Wind los und scheucht uns mitsamt den Faserpelzjacken in das Zelt. Es dauert nicht lange, dann rüttelt der Sturm eine Zeltstange aus der Verankerung. Unerwartet folgt absolute Stille und wir können endlich schlafen.

Von wegen, auf einmal braust wieder der kalte Wind um das Zelt und alle Luken müssen dicht gemacht werden. Später schläft der Sturm ein und es herrscht Ruhe. Das ist eine gute Gelegenheit nach dem Kreuz des Südens zu schauen. Aber ich staune nicht schlecht. Der Küstennebel hat sich bis in den Krater gedrängt, kein Lufthauch regt sich mehr und die Hand ist vor den Augen kaum zu sehen.

 

Astronomisches Betthupferl

Als es noch kein GPS gab, fungierte das Kreuz des Südens als Navigationshilfe bei Nacht. Wird die Längsachse des Kreuzes etwa fünfmal verlängert, trifft sie den Himmelssüdpol. Das Kreuz des Südens ist das kleinste der 88 Sternbilder und es erscheint um diese Jahreszeit erst in den Morgenstunden.

 

Sonntag, 12. November 2006 

 

Messum – Ugab – Camp mit Hausberg

 

Der Morgen ist neblig und nur schemenhaft blinzelt dann und wann die Sonne durch das Grau in Grau. Alles, was in dieser Nacht draußen war, ist nass.

 

 

Vom Küstennebel eingeholt

Morgenstunde hat Gold im Munde

 

 

Bis das Frühstück auf dem Tisch steht, und das sind weniger als 15 Minuten, scheint schon die Sonne in den Krater. Eine Gruppe Springböcke äst in sicherer Entfernung, aber keines der Tiere wagt sich in unsere Nähe.

Gegen Mittag brechen wir auf, um den Krater in Richtung Brandberg zu verlassen. Da wir fast an der Höhle vorbei fahren, wo angeblich früher die Damara gelebt haben sollen, statten wir dem Platz einen Besuch ab. Der Ausblick von hier oben über den Krater ist beeindruckend. Die Gegend ist aride und nur nach ausgiebigen Regenfällen ist in Felsausbuchtungen Wasser gespeichert, wovon Tiere und Menschen leben können.

Die Oryxantilope ist ein Überlebenskünstler in Sachen Trockenheit und wir sehen in der Ferne einige der stolzen Tiere davon galoppieren. Die Hitze ist mittlerweile wieder unerträglich. Leider können wir nicht wie die Oryxantilope unsere Körpertemperatur anheben, um nicht so zu schwitzen. Gerne erinnern wir uns an den kalten Morgen, während uns der heiße Fahrtwind in das Gesicht bläst.

Die Ausfahrt aus dem Krater auf die D 2342 in Richtung Brandberg Mine nimmt wesentlich mehr Zeit in Anspruch, als die gestrige Anfahrt. Das Trockenflussbett, dem wir folgen, gleicht einem Welwitschiagarten. Nirgends haben wir bisher schönere Exemplare gesehen.

 

 

Damarahöhle

Ein besonders großes Exemplar

 

 

Es war die Zeit der großen Safaris, und viele Entdecker waren unterwegs um Afrika zu erkunden. So auch der österreichischen Botaniker Friedrich Welwitsch (1806 –1872). Er hat die Welwitschia mirabilis, 1859 erstmals in der angolanischen Namib entdeckt. Der Jäger James Chapman hat ein Exemplar fotografiert. Thomas Bains hat sie gemalt und Wallastone und Anderson haben ihrerseits ein Exemplar an den Botanischen Garten in Kapstadt geschickt. Das alles geschah etwa um die gleiche Zeit, allerdings wurde in der Stadt das Gewächs nicht als Besonderheit erkannt und landete im Biomüll.

Am Wegrand parkt ein Gräder und die Zweimann Besatzung steht etwas unschlüssig vor einem Busch. Flüchtig nehme ich wahr, dass die Männer vor einem toten Tier stehen. Ein stattlicher Kudubulle ist Opfer eines Autos geworden.

Das „Save the Rhino River Camp“ im Ugab liegt romantisch versteckt im tief eingeschnittenen Tal. Ein kleines Info Center gibt Aufschluss über die Vergangenheit und die Aktualitäten, ebenso wird das Leben der Nashörner erklärt. Ob tatsächlich noch Tiere dieser Gattung hier leben, finden wir nicht heraus. Die Luft steht in diesem Kessel, kein Windhauch bewegt die heiße Luft. Das wollen wir nicht aushalten und außerdem wissen wir weiter oben einem schönen Platz. So fahren wir den Seitenarm des Ugab hoch in Richtung Tweifelfontein. Die Schlüsselstelle dieser Route liegt unserer Meinung nach ziemlich am Anfang. Da gilt es die steile nasse Passage an der Quelle zu überwinden. 4x4 Erfahrung des Fahrers und eine gute Bodenfreiheit des Fahrzeuges erleichtern das Vorwärtskommen auf der gesamten Route sehr und bewahren vor schweißtreibendem Steine legen.

 

 

In Richtung Ugab River

Vom Ugab hinauf in Richtung Huab

 

 

Durch das enge Tal kommen wir anfangs nur langsam vorwärts. Aber nach einigem mühsamen Treppensteigen für den Landy wird die Schlucht offener. In weniger als zwei Stunden ist das Hochplateau erreicht. Von diesem hoch gelegenen Punkt bietet sich eine phantastische Sicht auf die Gebirge rundherum. Wir campieren auf dieser Kuppe, an die sich ein kleiner Berg anschließt.

 

Übernachtung an unserer Rundumaussichtskanzel (Rechts unser Hausberg)

 

 

Astronomisches Betthupferl

Von den 10 Fixsternen sind acht am südlichen Sternenhimmel zu sehen. Durch seine Nähe zur Erde erscheint Sirius als der hellste Stern am Himmel. Gerade mal 85 Billionen Kilometer oder 8,9 Lichtjahre trennen ihn von der Erde. Andere Sterne produzieren mehr Licht als Sirius, sind aber weiter weg. Die Wahrnehmung des Menschen erkennt eine Glühlampe auf dem Tisch heller als den viel stärkeren Strahler eines entfernten Leuchtturms.

 

Montag, 13. November 2006  

 

Ugab – Huab - Palmwag

 

Um Mitternacht ist es noch sternenklar, aber vier Stunden später hat uns der kühle Küstennebel eingeholt. Trotzdem wandere ich um 6 Uhr 30 auf den Hausberg an unserem Camp. Querfeldein geht es nach oben. Erst als es das letzte Stück steil wird, windet sich ein ausgetretener Pfad das letzte Stück bis auf den Gipfel.

 

 

Blick vom Hausberg aus (Etendeka–Formation = Glutflüssige erstarrte Basaltlava)

Der Weg hinab zum Huab - River

 

 

Der Himmel klart auf und bis ich wieder unten bin, scheint schon die Sonne durch die sich auflösenden Wolkenfetzen.

Unser Weg führt nach Norden in die Richtung von Tweifelfontein/Huabrivier.

An der Steinmarkierung fahren wir nicht gerade aus nach Tweifelfontein, sondern biegen links ab und folgen dem Weg durch die Berge. Die Piste bleibt die ganze Strecke gut sichtbar und mündet später in das Trockenflussbett vom Huab.

Die roten Tafelberge zu beiden Seiten sind wie Inseln in das helle verblühte Gras eingebettet. Das ist reichlich Nahrung für die zahlreichen Springböcke in dieser Gegend.

Die Landschaft ist wunderschön und sehr einsam. Das birgt natürlich den Risikofaktor Sicherheit. Wenn hier ein Einzelfahrzeug eine Panne hat, kommt so schnell keine Hilfe. Es ist wichtig auf jeden Fall ausreichend Wasser mitzuführen.

Die Wasserscheide liegt hinter uns und wir fahren flussabwärts. Neben Welwitschias und einzelnen Büschen beobachten wir immer wieder Springböcke und Oryxantilopen, sowie eine große Straußenfamilie mit vielen flinken Jungen. Alle Tiere sind gut genährt und sehr scheu.

Das Tal wird breit, eine große Grasfläche öffnet sich und der Baumbewuchs nimmt zu. Nach kurzer Zeit erreichen wir das Trockenflussbett des Huab.

 

 

Einfahrt in den Huab

Kudubulle

 

 

Dichter grüner Busch wächst am Ufer. Die großen stattlichen Kameldornbäume sind von Elefanten arg zugerichtet und die duftenden Hinterlassenschaften der sanften grauen Riesen sind nicht zu übersehen. Aber wo sind die Elefanten? Flussabwärts oder Flussaufwärts? Wir fahren Flussaufwärts zur C 39. Das Revier ist sandig, lässt sich aber sehr gut im 1 und 2 Gang mit langer Übersetzung fahren. 

Ein kapitaler Kudubulle nascht von einem der Büsche am Flussufer. Es stört ihn gar nicht, dass wir halten und ihn genau betrachten. Die Paviane hingegen verlassen wie von der Tarantel gestochen den Kameldornbaum auf dem sie Nahrung zu sich genommen haben und klettern in einem Affenzahn die steile Felswand des Canyons hinauf.

Wir stoßen auf die C 39 und fahren weiter in Richtung Palmwag Lodge. Am Empfang werden wir darauf hingewiesen, dass im Campingbereich jeder Zeit wilde Tiere auftauchen können, sehr spannend! Das interessante Wasserloch liegt aber auf der anderen Seite der Lodge. Von der Terrasse hat man einen guten Blick darauf. Die Lodge ist ein schön angelegtes Areal mit zwei Pools, Liegeflächen, Restaurant und das alles unter hohen Makalanipalmen.

Die bis zu 15 Meter hohen Palmen sind häufig zu sehen. Ihre Samenkapseln werden von den abgehenden Flüssen oft kilometerweit transportiert. Paviane und Elefanten ernähren sich von den Früchten der Palme. Die Touristen bekommen die kastaniengroßen Samenkugeln mit Schnitzereien versehen, zum Kauf angeboten. Der starke Wind rauscht in den hohen Palmen, die dieser Oase in der Wüste den besonderen Flair verpassen.

 

 

Springböcke

An der Palmwaglodge

 

 

Die Plätze des Campingbereiches sind sehr schön, mit Blick auf den Uniabfluss. Anstelle von wilden Tieren bewohnt eine Herde Rinder das Flussbett. Ich hoffe, dass in der Nacht  „wilde Tiere“ kommen und nehme das Nachtsichtfernglas mit in das Zelt. Um 4 Uhr früh höre ich das vorsichtige Tasten von Hufen im Uniab. Nachdem ich meine Brille gefunden habe, öffne ich leise das Zelt und spähe in die vom Mond erleuchtete Nacht. Dank dem guten Fernglas reicht das spärliche Licht aus, um etwas zu erkennen, im Gebüsch steht der Kuhbulle von heute Nachmittag.   

 

Richtungsweisendes Betthupferl

Die Alten hatten die Gestirne, den Sonnenstand, die Naturbeobachtung. Sie sahen, auf welcher Seite der Bäume das Moos wächst, und wußten, da ist Westen. (aus, Wege zum Leben, Heyne Verlag)

 

Dienstag, 14. November 2006  

 

Palmwag – Nebenfluss des Hoanib

 

Man müsste Geologe sein, dann würde man die Welt mit ganz anderen Augen sehen. (Uwe Scharf)

 

Es ist bereits 13 Uhr, als wir nach Sesfontein abfahren. Der Name findet seinen Ursprung bei der Zahl sechs. Sechs Quellen sollen in den Bergen entspringen. Der Weg hierher zog sich durch hügliges Gelände und die ersten Mopanebüsche waren zu sehen.

1896 entstand der Kontrollposten Sesfontein im Zuge der Rinderpest. Die Deutschen bauten den Posten von 1904 – 06 zu einem Fort aus. Nach 1915 zerfiel es und erst 1995 wurde es wieder zum Leben erweckt. Schöne große Makalanipalmen schmücken das Anwesen.

Um Sesfontein leben Hereros. Die Frauen tragen, auch bei dieser Hitze, mit Stolz ihre voluminösen viktorianischen Trachten.

Wir folgen der D 3707 in Richtung Puros, der Weg wird hügelig und die Gegend abwechslungsreich. Oryxantilopen und Springböcke grasen friedlich neben Kühen und Ziegen in der Nähe von künstlichen Wasserstellen. Die großen Mopanebüsche bieten den Tieren Schutz vor der sengenden Sonne. Der Abzweig zur Hoanibschlucht via Ganamub ist ausgeschildert und wir biegen in das Trockenflussbett ein. Auf sandigem Untergrund führt der Weg durch die Ganamubschlucht bis zum Port. Durch diese Felslücke geht es in den Hoanib.

Das Flusstal gehört zum Konzessionsgebiet der Palmwaglodge. Die Betreiber der Lodge haben künstliche Wasserstellen im Hoanib geschaffen. Wenn es auch verlockend ist, es sollte nicht im Hoanib campiert werden, da der Lebensraum für die Tiere hier sehr begrenzt ist.

 

 

The Port (Engstelle im Hoanib)

Der pubertäre Elefant

 

 

Kaum ist die erste künstliche Wasserstelle passiert, treffen wir auf einen Elefanten, er überquert den Fluss. Als er das Flussbett verlässt, wollen wir weiter fahren. Aber wir sind dem Tier wohl schon zu nahe gekommen. Abrupt dreht sich der halbwüchsige Elefant um und trabt zielsicher in einem so rasanten Tempo auf unser Auto zu, dass Uwe beim Zurücksetzen Probleme hat die Spur im tiefen Sand zu halten. Uwe bremst, der Elefant auch. Das Tier macht Drohgebärden und trompetet, schüttelt den Kopf und wird unschlüssig. Als wir zurückfahren um ihm Raum und Recht zu geben, stellt er uns weiter nach und wird immer toller je mehr wir ihm aus dem Weg gehen. Erst als das Auto aus ist und sich nichts mehr muckst, zieht er selbstbewusst von dannen.

 

 

Oryxantilope

Gabi beim Kreieren eines Betthupferls

 

 

Zum Übernachten fahren wir weit in das einmündende Trockenflussbett des Obias hinauf.

 

Astronomisches Betthupferl

Am Himmel greift der Stier den Orion an. Drei Sterne markieren ein V, also die Spitze unten ist die Nase, und beide Ohren sind oben. Der Aldebaran als hellster Stern macht es einfach das Sternbild des Taurus zu erkennen. Zudem befinden sich die beiden leuchtenden Sternhaufen Hyaden und das Siebengestirn, die Plejaden im Stier. 450 Lichtjahre trennen die Töchter des Riesen Atlas von der Erde.

 

Mittwoch, 15. November 2006

 

Obias – Wüstenelefanten im  Hoanib – Huarusib

 

 

Unser Camp in einem Seitental des Hoanib

 

Früh fahren wir los zurück in den Hoanib. Mit dem Fernglas suche ich den Fluss ab und finde den Elefanten von gestern. Wir platzieren uns auf der anderen Flussseite, um den Wildwechsel nicht zu unterbrechen. Dann warten wir und warten. In 400 Meter Entfernung quert ein großer Elefant das Flussbett und ihm folgen im gesicherten Abstand neun weitere. Dann verschwindet die Gruppe im Busch. Der einzige, der aus der Reihe tanzt ist unser übermütiger Freund von gestern. Er nimmt den Weg direkt durch den Fluss. 100 Meter vor dem Auto verschwindet er im Unterholz. Beobachtet er uns? Wartet er dass der Motor von Auto angeht? Zeit vergeht, wir sind geduldig und dann die Überraschung. Keine 100 Meter vor uns tritt die Herde aus dem Busch und überquert, geordnet in Reih und Glied den Fluss, und verschwindet hinter einem Hügel.

Wir verhalten uns ganz ruhig, dann ist der Nachzügler auch da und provokant schaut er in unsere Richtung, hebt den Rüssel um Witterung aufzunehmen. Aber der Wind steht gut für uns, und da sich bei uns nichts rührt, trottet er der großen Gruppe hinterher. Aber nicht ohne ständig zurück zu schauen. 

 

 

Wüstenelfanten im Hoanib

 

 

 

Nun sputen wir uns, um den Hügel zu umfahren, vielleicht treffen wir dahinter noch mal auf die Elefantengruppe. Der Busch ist leider zu dicht. Neben einer Vielzahl von Oryxantilopen und Springböcken beobachten wir auch Paviane. Was die Tiererlebnisse im Hoanib betrifft fühlen wir uns im siebten Himmel. In der Mitte vom Fluss sammeln sich neun Giraffen unter einer großen Akazie. Angestrengt schauen die Tiere in eine Richtung. „Was ist denn da?“ fragen wir uns. Da steht eine Elefantenkuh mit einem sehr kleinen Jungen. Sofort stellt sie sich vor das Junge und reckt ihren Rüssel zur Witterungsaufnahme in unsere Richtung. Der Wind steht immer noch gut für uns, zu unserem Vorteil haben wir die Sonne im Rücken, und Elefanten sehen sehr schlecht. Wir rühren uns nicht. Dann geht die vermutlich kampferprobte Elefantin, sie besitzt nur noch zwei kurze Stummelstoßzähne, langsam aber bestrebt in unsere Richtung. Mein Herz pocht. Fünf Meter - vier - drei – zwei Meter vor der Beifahrertüre dreht das

 

 

Elefantenkuh nah am Fahrzeug vorbei

Baby trinkt vom Baum 

 

 

große Tier ab, ohne ein Zeichen der Drohung oder Angst. Das Baby folgt ihr und bleibt verdutzt einen Meter vor der Beifahrertüre stehen und dann dreht der Zwerg ab. Im Fluss lebt ein Elefant mit einem Peilsender, er nimmt in der Nähe ein Staubbad.

Wir passieren Amsport und folgen weiter dem Hoanib durch tief eingegrabene Schleifen in Richtung Skelettencoast. Je näher wir der Küste kommen, desto wüstenhafter wird die Landschaft. Die Wände des Canyos bestehen aus gepresstem roten Sand und stehen bis zu 7 Meter hoch. Tiere werden immer seltener und die Gegend ist sehr viel weniger ansprechend als weiter oben.

Theoretisch könnte man weiter fahren bis an das Meer. Aber die letzten 40 Kilometer bis zum Meer verwehrt uns das Konzessionsgebiet. Wir sehen am GPS genau wo das Konzessionsgebiet beginnt und drehen um.

Den steilen Absatz, der uns wieder auf den Rand des Canyons bringt, schaffen wir mit dem voll beladenen Auto erst im dritten Anlauf. Es lohnt sich nicht diesen Abstecher zu machen.

Nun fahren wir immer leicht bergan nach Norden und das Tal des Hoanib bleibt hinter uns zurück. Die Landschaft wird karg, es gib keine Bäume mehr, nur noch vertrocknete Grasbüschel. Die Wellblechpiste führt durch eine wüstenhafte Gegend. Mitten auf der weiten flachen Ebene steht das Schild „Welcome in Puros Distriction“.

 

 

Auf halben Weg zum Huarusib

Plattform oberhalb vom Huarusib

 

 

Wenig später kommt der Abzweig zum Huarusib. Nach Puros geht es geradeaus. Die Gegend wird sehr abwechslungsreich. Wir befinden uns auf 684 Meter Höhe und die große mit Gras bewachsene Fläche verlockt zum schnellen Fahren, aber Vorsicht, es sind unangenehme Schlaglöcher darin versteckt.

Dann geht es auf rauhem Schotter weiter, als der hinter uns liegt, verzaubert ein grober roter Sand die Landschaft.

Drei Oryxantilopen mit Kälbern preschen davon. Die Jungen haben noch das rote Haar der Neugeborenen und passen sich perfekt an die rötliche Landschaft an.

Der Weg zieht sich durch eine Gegend mit skurrilen Steinformationen. Das sieht schön aus, aber mit schnell fahren geht hier kurze Zeit gar nichts mehr.

Im Anschluss läuft es wieder besser, mit 40 Sachen über sandigen Untergrund. Rechts und am Horizont der Hochebene liegen Gebirgszüge. Der Einschnitt in das Tal vor uns wird tiefer und die Hügel rechts und links werden höher. Die Gegend ist derzeit völlig ohne Vegetation und die Piste gut zu fahren.

Von weitem ist der Huarusib zu sehen. Die hohen Makalanipalmen und zartes helles Grün kündigen das feuchte Flussbett an. Es ist wunderschön und man denkt an ein Paradies für Tiere. Aber der Huarusib ist eine relativ enge Schlucht und die Tiere haben keine idealen Fluchtwege. Wir sehen Oryxantilopen und haben gehört, dass Löwenspuren gesichtet worden sind. Elefanten soll es hier auch geben. Immer wieder treffen wir auf Elefantenlosung, aber die ist nicht erst von gestern. Es gibt im Huarusib keine Kameldornbäume, die sind die Leibspeise von Elefanten und Giraffen. Landschaftlich ist die Tour sehr reizvoll und für Ornithologen sicher ein ganz besonderes Erlebnis.

Etwa 30 Meter oberhalb vom Huarusib bei der Ausfahrt in ein Seitental übernachten wir auf einer Felsempore, ein Traumplatz. 

 

Erfreuliches Betthupferl

Der Mensch bleibt so lange jung, wie er etwas erwartet.

(aus, Wege zum Leben, Heyne Verlag)

 

Donnerstag, 16. November 2006

 

Huarusib - Puros – Huarusib die Zweite

 

Bei den Himbas

OKUHEBBA ist das Wort für Danke

MORRO ist das Wort für guten Tag

 

Uwe hat heute Namenstag, was wird ihn wohl erwarten? Wie geplant fahren wir im Flussbett weiter in Richtung Puros. Obwohl die Trockenzeit zu Ende ist befinden sich im Huarusib immer noch einzelne Stellen mit Wasser. Das vorkommende Schilf ist ein perfekter Lebensraum für viele Vögel, allerdings auch die Brutstätte für Myriaden von stechenden Minifliegen.

Das Port im Huarusib kurz vor Puros ist eng und schmal. Sobald mehr Wasser fließt ist der Durchgang nicht mehr zu befahren.

 

 

Engstelle Huarusib nahe Puros

Spurenvergleich

 

 

Elefanten sehen wir keine, nur die Reste eines toten Elefanten. Große Knochen liegen umher und die Geruchsentwicklung ist stark.

Wir treffen auf die Straße bei Puros, und genießen vom Aussichtsberg den herrlichen Rundblick. Flussaufwärts im Huarusib wachsen große Makalanipalmen. Sie sind das einzige Grün hier, die Weiden sind völlig vertrocknet und kein Halm steht mehr.

 

 

Traditional Himba Village

 

 

 

In der Nähe von Puros befindet sich eine „Traditional Village“. Hier wird alles erklärt was man immer schon über das Nomadenvolk wissen wollte.  

Es ist schon kurz vor 12 Uhr, als wir uns weiter auf den Huarusib einlassen. Übersetzt bedeutet der Name so viel wie „der sich durch die Schlucht schlängelt“.

Jedes Fahrzeug das ab Puros in Richtung Opuwo im Flussbett weiter fährt, muss seinen eigenen Weg finden. In dem tiefen Sand sind die Spuren eventueller Vorgänger schnell verweht.

Die Flussdurchfahrt ist ein tiefsandiges, felsiges Abenteuer und führt über Stock und Stein. Wir empfehlen diese Tour nur eingefleischten 4x4 Fahrern mit einem Fahrzeug, das über eine entsprechend Bodenfreiheit verfügt.

44 Kilometer Luftlinie liegen vor uns, am Ende werden wir auf die D 3707 treffen.

Das Revier ist anfangs tief sandig und bis zu 300 – 400 Meter breit. Viele alte Elefantenhaufen liegen entlang der Piste und wir hoffen natürlich auch hier Elefanten zu sehen.

Der Huarusib kommt jedes Jahr ab und er hat ein großes Einzugsgebiet. Es reicht entlang der D 3707 nach rechts bis weit über Opuwo hinaus.

 

 

Makalani Oase nahe Puros

Himbas entlang des Huarusib

 

 

Vor uns liegt die enger werdende Schlucht. Wenn nicht tiefer weicher Sand das Vorwärtskommen erschwert, dann machen lange Passagen mit großen rumpeligen Steinen die Fahrt im Fluss zu einer kniffligen Sache. Im Schneckentempo passieren wir die erste von vielen Stromschnellen. In diesem Moment wissen wir das aber noch nicht. An den Bäumen im Fluss hat sich bei der letzten Flut Treibgut gesammelt. So können wir uns eine Vorstellung machen, wie hoch das Wasser hier schon war. Dass diese Wassermassen durch den schmalen Port bei Puros fließen müssen ist kaum vorstellbar.

 

 

Umfahrung einer Felskante

Probleme im Weichsand

 

 

Im Schatten einer großen Dornakazie gönnen wir uns eine Pause. Die Temperatur ist wieder weit jenseits der 35 Grad und das langsame Reisetempo verschafft uns leider auch keinen Fahrtwind.

 

 

Manchmal hilft nur noch blechen

Wehe dem der ein breiteren Wagen hat

 

 

Die Himbas haben für ihre Tiere tiefe Wasserlöcher gegraben. Wer da mit Schwung hinein fährt, riskiert einen gröberen Schaden am Fahrzeug. Einige Himbakinder schöpfen Wasser aus den Löchern und andere sind mit dem Hüten der Ziegen im Flussbett beschäftigt. In einem zugehauenen Waschtrog aus Palmholz säubert ein älteres Mädchen Wäsche.

 

 

Trotzdem das Tal so abgelegen ist

Wir treffen immer wieder auf nette Menschen

 

 

Nach 34 Kilometern Luftlinie und 6 Stunden anstrengendem Autofahren schlagen wir mitten zwischen den steil aufragenden Wänden der Schlucht unser Lager auf. Es sind zwar „nur“ noch 10 Kilometer Luftlinie zur D 3707 aber die Dämmerung bricht an und der Huarusib hat es in sich.

 

 

Wir rumpeln über große Steine

Unser Rastplatz für die Nacht

 

 

Endlich ist Ruhe und das Motorengeräusch belagert nicht länger unsere Ohren. Einen Moment später nehmen die strapazierten Hörorgane das Zwitschern der Vögel im Canyon wahr. Die Damaraschwalben, Tauben und viele Vögel, die wir nicht kennen, veranstalten ein Konzert bis weit in die Dunkelheit hinein.

Auf einem ungewöhnlich großen flachen Stein platzieren wir unseren Tisch. Wie Diamanten leuchten die Sterne über uns und es könnte so romantisch sein! Da wir jedoch nicht wissen, mit welchen Wegverhältnissen wir morgen konfrontiert werden, bleibt unsere Stimmung nachdenklich. Zumal wollen wir morgen auch das Carnet für den Landy verlängern.

 

Literarisches Betthupferl

Eine anständige Hitze ist wie eine gute Medizin....

(H.M. Stanley in Auf nach Afrika v. Martin Dugard)

 

Freitag, 17. November 2006 

 

Huarusib – Opuwo – Ruacana – Eha Lodge

 

Nach dem gestrigen Tag kann es eigentlich nur noch besser werden. Entschlossen gehen wir ans Werk und siehe da, nach jeder Schleife, durch die sich das Trockenflussbett windet, weichen die steil aufragenden Wände der Schlucht weiter zurück. Wir können hoffen und freuen uns, dass wir wohl bald die Querverbindungsstraße erreichen.

 

 

Wann kippt eigentlich ein Landy?

Wieder auf der D3707

 

 

Ein unaufmerksamer Moment bei einer kurzen, aber steilen Schrägpassage von weichem Sand auf grobes Geröll läßt unseren Adrenalinspiegel abrupt steigen. Der Landy rutscht auf dem weichen, mit Sand unterlagertem Geröll ab und das rechte Vorderrad hebt sich bedenklich. Ein gewaltiger Schreck durchfährt unsere Glieder, das Auto droht zu kippen, was nun? Mit klopfendem Herzen untergraben wir die Reifen und tasten uns vorsichtig wieder rückwärts. Das war knapp!

Dank GPS können wir die nächste Stromschnelle links liegen lassen und fahren die Böschung hoch, auf die D 3707. Die Durchfahrt des Huarusib, von der Einmündung vom Hoanib kommend, bis zur D 3707 ist 130 Kilometer lang.

So spannend wie es gerade noch war, so mühsam zieht sich nun die Piste die nächsten Kilometer durch Mopanebusch in Richtung Opuwo. Eine Gruppe Kinder unterbricht unsere langatmige Fahrt. Die Schüler und Schülerinnen aller Altersklassen besuchen in Kaoko Otavi das Internat und gehen heute über das Wochenende nach Hause. 

 

 

Wir haben unsere Freude mit der Schulklasse

Interessiert lassen sie sich zeigen wo wir schon in Afrika waren

 

 

Opuwo liegt am Fuße eines der zahlreichen Hügel. Nach einem Tankstop und Internetbesuch fahren wir weiter in Richtung Ruacana, um das Carnet de Passage für den Landy zu verlängern. Hinter Opuwo treffen wir ein Paar aus der Schweiz, die beiden sind auf dem Weg nach Europa.

 

 

Opuwo, Hauptstadt der Herero und

Himba

 

 

Für uns geht es weit weniger spannend weiter. Über 100 Kilometer führt die Piste durch Mopanebüsche. Etwas luftiger wird die Gegend erst 30 Kilometer vor Ruacana. Von Osten kommend bietet sich von einer Anhöhe der grandiose Ausblick über den endlosen Mopanewald, in dem der Stausee des Stromkraftwerkes liegt.

Leider klappt es in Ruacana mit der Carnet Verlängerung nicht. Das kommt für uns unerwartet und wir haben den weiten Weg erstmal umsonst gemacht. Wenige Kilometer von hier liegt die EHA Lodge, ein schöner Platz, hier haben wir schon 2004 übernachtet. Morgen versuchen wir es mit dem Carnet einen Grenzposten weiter östlich. Wenn das wieder erfolglos ist bleibt noch Katima Mulilo, Kazungula oder die Verlängerung per Post über Pretoria. 

 

Geologisches Betthupferl

Wenn ein unter der Erdoberfläche liegender Karsthohlraum einstürzt, entsteht eine Doline. Falls der Boden tiefer liegt als der Grundwasserspiegel, füllt sie sich mit Wasser, und bricht dann noch das Dach der mit Wasser gefüllten Höhle ein, entsteht ein Karstsee.

 

Samstag, 18. November 2006

 

Oshikango – Oschakati – Tsumeb - Grootfontein

 

In aller Frühe sind wir schon unterwegs zum Grenzposten. Aber auch der Zollbeamte in Oshikango erklärt uns sehr freundlich, dass er unserem Ansinnen nicht nachkommen kann, da wir keine Visa für Angola in den Pässen haben. Leider fliegt kein Wunder herbei und unverrichteter Dinge ziehen wir wieder ab.

Auf der B1 fahren wir durch das Owamboland. Die Ortschaften sind sauber und aufgeräumt, die Menschen geschäftig unterwegs. Ackerbau und große Weideflächen wechseln sich ab. Über eine weite Strecke ist die Wasserversorgung über lange Kanäle gut organisiert, wobei sich Rinder und Ziegen mit der gleichen Selbstverständlichkeit am Wasser aufhalten wie die Bevölkerung, die dort Trinkwasser schöpft. In der kleinen, sehr hübschen Ortschaft Ombalantu stehen viele große Baobabs. Das kommt uns gerade recht um eine kleine Pause einzulegen.

Wasser ist zwar in Namibia immer etwas besonderes, aber wir sind schon viel zu müde um noch den Abstecher zum Otjikotosee zu machen. Die Grundlage für den runden Karstsee ( 55 Meter tief und 100 Meter im Durchmesser) ist wie bei dem weiter westlich gelegene Guniassee eine Doline.

Wir passieren die Minenstadt Tsumeb. Der Name der Stadt führt zurück zu den Buschleuten. „Tsomsoub“ bedeutet in ihrer Sprache soviel wie „ einen Brunnen graben, der immer wieder einstürzt“. Schon bevor 1893 die „weißen Entdecker“ kamen, schürften hier die Buschleute Kupfer.

Der Himmel ist schon von mächtigen Wolken bedeckt, als wir schließlich in Grootfontein eintreffen. Der Ort ist Dank dem reichlich vorhandenen Wasser eine Gartenstadt. Schöne Jakarandas und Flamtrees schmücken die Straßen. Auf dem Olea Carawanpark erholen wir uns von der langen Fahrt.

 

Literarisches Betthupferl

Allein aus Freude am Sehen und ohne die Hoffnung,

seine Eindrücke und Erlebnisse mitteilen zu dürfen,

würde niemand über das Meer fahren. ( Blaise Pascal) 

 

Sonntag, 19. November 2006

 

Oleacamp Grootfontein

 

Den Vormittag verbringen wir mit dem Aufarbeiten der bisherigen Reise und dem Planen der Fortsetzung. Wir haben vor, zusammen mit Hildegard und Toni in den Kaudom Park zu fahren. Anschließend wollen wir weiter nach Botswana, um die Gegend des Okawangodeltas zwischen Seronga und dem Linyantifluss zu erforschen. Von dieser Seite wollen wir dann bis zum Chobepark fahren. Auf der Karte finden sich einige interessante Pisten und wir sind gespannt, denn anhand der wenigen Informationen erwartet uns dort tiefer Sand.

Sonntags haben in Grootfontein nur die großen Geschäfte offen. Auch das Internetcafe ist heute geschlossen.

Aus einer Kirche tönt laut die Stimme eines Predigers, wir spitzeln durch die offene Türe. In Krawatte und im weißen Hemd läuft der junge Redner vor den Gläubigen hin und her. Er untermauert seine wörtliche Ausführung indem er mit beiden Armen wild gestikuliert. Wir verstehen kein Wort. Aber die Menschen in der Kirche sind hingerissen und fallen mit lauter Stimme in das angestimmte Lied ein.

Um 17 Uhr, so ist in deutscher Sprache plakatiert, findet in einer anderen Kirche ein Bittgottesdienst um Regen statt. Es regnet auch prompt, aber schon vorher.

Der Schauer dauert nicht lange und wir finden im offen gestalteten Bügelbereich der Campsite bequem Unterschlupf. Hildegard und Toni treffen ein  und abends gehen wir zur Feier des Tages zum Essen. Am Ende freuen wir uns dann schon wieder auf unsere eigene Buschküche.

 

Astronomisches Betthupferl

Zwischen Mars und Jupiter liegt der Asteroidengürtel. Vermutlich ist hier ein Planet explodiert und seine Überbleibsel ziehen als Planetenbruchstücke in festen Bahnen. Wenn es zu Zusammenstößen kommt werden sie allerdings in das Weltall hinaus befördert und treten dabei auch des öfteren eine lange Reise zur Erde an. Wenn diese Asteroidenteile in die Erdatmosphäre eintreten werden sie Meteoriten genannt. Manchmal ist das die Geburtsstunde einer Sternschnuppe.

 

Montag, 20. November 2006 

 

Grootfontein – Tsumkwe – Big Tree in Nyae Nyae

 

Bis wir alles erledigt haben ist es 11 Uhr und ein feiner Regen ergießt sich über die Gegend. Die Einheimischen betonen, es ist gutes Wetter. Klar, in einem Land wo es so selten regnet, freuen sich die Menschen über jeden Schauer.

Auf dem Weg nach Tsumkwe begleiten uns ständige Gewitterschauer. Die Piste ist aufgeweicht und klebrig, trocknet in der sengenden Sonne aber schnell und die Fahrt wird dann staubig. Ironisch betrachtet ist es ein abwechslungsreicher Tag, entweder es staubt oder es spritzt.

Das Wetter bessert sich am späten Nachmittag, und wir brechen auf zu einer Pirschfahrt in die Nyae Nyae Pfannen. Der Weg ist nicht besonders gut und es sind keine Tiere zu sehen. Am südlichsten Punkt befindet sich eine hoch eingezäunte Rampe. Später erfahren wir, dass an diesem Platz Antilopen in das Hegegebiet eingesetzt werden.

 

 

Der nächste Schauer kommt bestimmt

Übernachtung unterm Baobab

 

 

Sehr müde schlagen wir neben einem der vielen großen Baobabs unser Lager auf. In der Nähe befindet sich eine feuchte Wasserstelle, aber die Tierspuren sind alt. Das Wetter bessert sich zusehends und die Gewitterwolken verschwinden. Immer mehr Sterne erscheinen am Nachthimmel und ich spähe nach einer Sternschnuppe, weil ich noch einen Wunsch anbringen möchte.

 

Astronomisches Betthupferl

Die Sternschnuppe ist ein Meteorit der mit 90 000 Kilometern pro Stunde auf die Erdatmosphäre trifft. Bei diesem Tempo wird die Luft vor der Schnuppe zusammengepresst. Durch die entstehende Hitze schmilzt die Sternschnuppe für gewöhnlich und löst sich schließlich in Dampf auf. Die Gashülle an der Stirnseite des fallenden Sternes lädt sich durch die entstehende thermische Energie elektrisch auf. Das hat ein Leuchten zu Folge, durch die Flugbewegung erzeugt die elektrisch geladene Gashülle den Sternschnuppenschweif. Die Sternschnuppe verglüht und der freie Wunsch, wenn man eine Sternschnuppe sieht, geht nur in Erfüllung wenn man fest daran glaubt und den Wunsch niemandem verrät.

 

Dienstag, 21. November 2006

 

Big Tree – Tsumkwe – Kaudom/ Sikereti

 

Der Sonnenaufgang am Baobab ist besonders stimmungsvoll, da dieser Baum von vielen Vögeln bewohnt wird, die wild durcheinander zwitschern.

 

 

Am hohlen Baobab

Alles was vom großen Baum übrig ist

 

 

Wir folgen der Beschilderung zum  „Groot Boom“ und sind völlig überrascht, als wir vor einem großen Aschenhaufen stehen. Dieser Baobab ist „gestorben“ und wurde durch ein Buschfeuer verbrannt. 

Das Naturhegegebiet Nyae Nyae erstreckt sich vom Kaudom bis nach Gam im Süden und von der Grenze Botswanas bis 40 Kilometer westlich von Tsumkwe. Dieses Gebiet steht den San zur Verfügung. Das Leben der San und ihr Werdegang sind hoch interessant, sprengt aber den Rahmen dieses Berichts. Es wäre bedauerlich wenn diese Volksgruppe und das ihr zugehörende Wissen aussterben würde.

Zurück in Tsumkwe besuchen wir das bunt bemalte Craft Center. Hier befindet sich ein Kindergarten und verschiedene Workshopeinrichtungen. Ein Lehrsaal komplett bestuhlt, ein anderer Saal mit etlichen Industrienähmaschinen, alles ist fürsorglich versperrt. Laute Musik dröhnt aus einer Ecke, hier werden neben Musikkassetten und Haarspangen auch billige T-Shirts verkauft. Traditionelles oder Anderes, was einen Besuch lohnt, können wir derzeit hier nicht finden.

Der Ort selber hat zwar eine Tankstelle, aber wie fast immer ist auch heute  kein Diesel vorrätig. Die Tsumkwe Lodge liegt weiter außerhalb. Sie ist schön angelegt mit einem winzigen Pool. Da es gerade mal Vormittag ist, werden wir hier nicht bleiben, sondern fahren in Richtung Kaudom Park.

Der 60 Kilometer lange Weg bis zum Parkeingang ist mit hohem dichtem Gebüsch eingesäumt. Es gibt keinerlei aufregende Ereignisse, nur einige Borsten von einem Stachelschwein liegen in der Fahrrinne und lange Zeit ist eine Elefantenspur auf der Piste zu sehen, das stimmt uns hoffnungsvoll.

Das südlich gelegene Sikereticamp ist, wie das nördliche Kaudomcamp einfach gehalten. Durstige Elefanten zerstörten in den trockenen Zeiten die Sanitäranlagen. Sie werden nicht mehr erneuert. Bei Bedarf gibt es Wasser aus einem Hahn, der unter einem schweren Eisendeckel verwahrt ist.

Am frühen Nachmittag sind wir schon da und können gemütlich entspannen. 

 

 

Eingang zum Kaudom        

Spagetti aus dem Potjie im Sikereticamp

 

 

 

Geologisches Betthupferl

Der Hoba-Meteorit in der Umgebung von Grootfontein besteht neben verschiedenen Spurenelementen, aus 82,4 % Eisen, 16,4 % Nickel und 0,76 % Cobalt. Er soll erst vor 80 000 Jahren eingeschlagen sein, aus geologischer Sicht ist das gerade erst gestern gewesen. Entstanden ist er im Weltall aber schon viel früher. So genau weiß man das nicht. Es gibt unterschiedliche Vermutungen über sein Alter. Sie variieren zwischen 190 Mill. bis 410 Millionen Jahren und damit ist er geologisch gesehen schon alt.

 

Mittwoch, 22. November 2006

 

Sikereti- Kaudomcamp

 

Die ersten ausgiebigen Regenfälle, welche die Regenzeit ankündigen liegen schon einige Zeit zurück. Der Kaudom Park gleicht einem grünen Garten. Das bedeutet für uns nichts Gutes. Denn die Tiere tummeln sich, für uns unsichtbar, weitab der eingerichteten Wasserlöcher. Neben scheuen Giraffen, wenigen Dik- Diks kreuzen nur einige Elefanten unsere Piste. Sehr fürsorglich scheint uns ein

 

 

Scheue Giraffen und

Neugieriger Elefantenbulle

 

 

Elefantenbulle, der einen kleinen Elefanten bei sich hat. Der Zwerg ahmt die Witterungsaufnahme des Großen perfekt nach. Es sieht urkomisch aus, wie der kleine Rüssel in die Luft ragt und den anstreichenden Wind einfängt. Dieser steht gut für uns und da die Tiere keine Witterung bekommen, nähern sie sich neugierig dem Auto.

Sofern sich die Piste entlang der Trockenflussbetten zieht, ist der Park landschaftlich reizvoll. Ansonsten ermöglicht die dichte Vegetation kaum einen freien Blick. Je weiter es nach Norden geht, desto häufiger treten die Weichsandfelder auf. Es bleibt nicht aus, dass wir den Luftdruck in den Reifen auf 1,9 Bar senken. Aber die größte Anstrengung des Tages besteht darin, immer in den Busch zu starren und doch keine Tiere zu sehen. Wir halten uns mit einer einfachen Methode bei Laune, wer zuerst einen Löwen sieht, bekommt später eine Pizza.

Das letzte Wegstück führt abermals durch ein grünes Flussbett, das Nahrung für hunderte von Tieren bieten würde. Aber die sind, wie uns der Ranger im Kaudompark Camp bestätigt- im Busch. Wir genießen die schöne Campsite unter Bäumen, mit Blick auf das Flussbett des Kaudom.

Ein Wasserloch liegt am Fuße des Hügels und wird in der Dunkelheit von einem Elefanten aufgesucht, sein lautes Trompeten dringt zu uns herauf.

 

Literarisches Betthupferl

....Der Elefant spazierte herum, schaute auf die gedeckten Tische, die Lichter, die erstarrten Menschen. Man konnte es seinen Bewegungen, dem Wackeln des Kopfes ansehen, daß er zögerte, sich nicht entschließen konnte. Das dauerte und dauerte, unendlich lang eine ganze eisige Ewigkeit lang. Irgendwann fing ich seinen Blick auf. Er musterte uns aufmerksam, nachdenklich, in seinem Blick war eine tiefe, starre Düsternis. ...Fortsetzung folgt

(aus Afrikanisches Fieber, R. Kapuscinski www.piper.de)

 

Donnerstag, 23. November 2003

 

Kaudomcamp – Bangani - Mahangulodge

 

Mit dem ersten Morgenlicht werden die Vogelstimmen aktiv. Besonders intensiv ist die Vogelwelt am Wasser zu erleben oder in der Nähe von Bäumen.

Der Kaudompark ist für seine vielen Löwen und den tiefen Sand bekannt. Ein 4x4 ist unabdingbar und es wird empfohlen den Park nicht als einzelnes Fahrzeug zu befahren. Doch die Löwen sind mit den anderen Tieren im Busch verschwunden und es gibt keine Pizza. Vom angekündigten Weichsand werden wir uns heute ein Bild machen. Die letzten 50 Kilometer zum Parkausgang nach Norden sollen sehr tief sandig sein. Durch den schon gefallenen Regen ist der Sand aber griffig und wir kommen mit wenig Luftdruck prima voran. Das Auto sucht sich in der tiefen Spur selber den Weg. Uwe kann die Hände entspannt in den Schoß legen.

 

 

Typisch Tiefsand im Kaudom

Nach 50 km treffen wir auf die B8

 

 

Nach vier Stunden ist die B 8 erreicht. Auf der Teerstraße rollen wir, den Reifen zuliebe, mit 70 Sachen nach Bangani. Dort versorgen wir an der Tankstelle den Landy mit Luft und Diesel, im angrenzenden Shop ergänzen wir unsere Vorräte.

Am frühen Nachmittag treffen wir auf der Mahangu Lodge ein und haben viel Zeit zum Relaxen. Mahangu heißt so viel wie Nahrung der Einheimischen. Der liebevoll gestaltete Platz liegt direkt am Okawango und ist unter deutschsprachiger Leitung. Ein Gewitter zieht über das Okawangodelta und einen kleinen Spritzer bekommen wir ab. Aber ein leuchtender Regenbogen entschädigt uns postwendend für den Schauer.

Das Gewitter zieht sich zurück und schnell wird es dunkel. Hippos wiehern im träge fließenden Fluss. Dieser wird durch die in der Ferne aufleuchtenden Blitze erhellt. Morgen starten wir unser Abenteuer in Botswana. 

 

Literarisches Betthupferl

Beim Beginn einer Unternehmung und unweit des Ziels ist die Gefahr des Misslingens am größten. Wenn Schiffe scheitern, so geschieht das nahe am Ufer. (Ludwig Börne)

 

Freitag, 24. November 2006

 

Mahangu Lodge – Muhembo Fähre - Seronga

 

Klicken Sie einfach auf das Sie interessierende Detail Botswana und Sie erhalten Detailkarten und ein Roadbook der von uns gefahrenen Strecken

7.Seronga - Selinda Spilllway

8.Linyanti - Konzession - Kasane

9.Chobe - Ngwezumba - Savuti - Khwai

 

Unsere Tour durch Botswana (Für Kartendetails klicke auf den entsprechenden Button)

Unsere Tour auf Google Earth klicke bitte hier ...

 

Dumela – Hallo! Guten Tag

Kea itumela – Danke, Tswee- Tswee  - Bitte

Sala Sentele – Auf Wiedersehen

 

 

 

Mahangolodge

Morgenstimmung am Okawango

 

 

Nach einem gemütlichen Frühstück reisen wir auf der Transitroute durch den Mahango Park in Richtung Botswana. Neben einer flüchtenden Säbelantilope sehen wir davon rasende Warzenschweine, eine Schildkröte und viele Raubvögel.

Mit der Muhembo Fähre setzten wir über den Okawango. Die kostenlose Fähre wird von zwei starken Motorbootmotoren angetrieben und hat zwei Steuermänner.

 

 

Kostenlose Fähre

Ochsengespann

 

 

Das Gebiet links des Panhandel wird nur von wenigen Touristen besucht. Die Straße fährt sich prima, freundliche Menschen winken uns, und die Dörfer sehen sauber und ordentlich aus.

Lasten aller Art werden auf schmale Schlitten gepackt und Stiere oder Kühe sind vorgespannt um sie zu ziehen. Diese Schlitten lassen sich im Flachwasser des Schwemmgebietes ebenso gut bewegen, wie auf den sandigen Straßenrändern der Piste.

Heute am Freitag gehen viele Kinder vom Internat wieder nach Hause. Die meisten haben neben einem kleinen Köfferchen auch eine dicke Wolldecke bei sich. Beides tragen sie geschickt auf dem Kopf. Sie freuen sich sehr, bei uns ihre Englischen Sprachkenntnisse anzubringen.

 

 

Der lange Nachhauseweg vom

Internat bis ins Dorf

Alles wir auf dem Kopf transportiert

Kleine und große Lasten

 

 

Wenige Kilometer hinter dem Hauptort Seronga liegt das MbiRoBa Camp am Schwemmland des Okawango. Das Camp wurde 1998 errichtet, es handelt sich dabei um das Community Projekt, Okavango Polers Trust. Es soll den Menschen hier vor Ort dienen und nicht einem privaten Betreiber.

Wir forschen hier nach weiteren Informationen über die Stecke zur Hintertüre des Okawangodeltas, die wir morgen ansteuern wollen.

Ein Mitarbeiter des Camps hat Erfahrung mit der Transitroute und er erzählt uns seine Erlebnisse. Mit zwei Landrovern haben sie die Strecke von Seronga zum Linyanticamp gefahren. Wenn einer der beiden im tiefen Sand stecken blieb, zog ihn der andere heraus. Im Selinda Spillway wurde durch Äste, die aus der Fahrbahn nach oben stakten, ein Landy beim Zurücksetzen beschädigt. Die „Bergungsaktion“ hat damals viel Zeit und Nerven in Anspruch genommen.

Sehr ermutigend stimmt uns diese Erzählung nicht, aber diese Fahrt liegt schon über ein Jahr zurück. Wir werden auf uns gestellt sein. Die Transitroute nach Kasane ist nicht in unserer Karte eingezeichnet, aber immerhin soll es eine Beschilderung geben.

Ein heftiges Gewitter geht nieder, wir hoffen, dass der beschriebene tiefe Weichsand, der diese Piste in Verruf gebracht hat, dadurch vielleicht etwas griffiger wird.

Auch der Streit um die Insel im Chobefluss, zwischen Botswana und Namibia ist mittlerweile beigelegt. So dürften keine tiefen LKW-Spuren von Militärfahrzeugen mehr existieren.

Die Mückenpopulation hier am Schwemmgebiet des Okawango ist beachtlich und wir verziehen uns zeitig in das Zelt.

 

Botanisches Betthupferl

Der echte Mopane ist ein ausgezeichnetes Brennholz und wächst bei guten Bedingungen im Eiltempo bis zu 18 Metern hoch. Gibt der Boden nicht viel her bleibt er ein Busch und davon gibt es viele in Botswana. Die rundlichen Blätter haben die unverwechselbare Form des Flügelpaares von einem Schmetterling und von hellgrün färben sie sich bis gelb, rot und braun. Die Blattadern gehen von der zentralen Stelle aus, an dem das Blattpaar verbunden ist.

Der falsche Mopane wird ein stattlicher Baum mit rosa weißem Stamm. Sein spitz zulaufendes Blätterpaar hat jeweils eine gut sichtbare Mittelader, von der die seitlichen Blattadern ausgehen. Seine roten Samenkapseln werden von den Buschleuten zu Nahrung verarbeitet.

 

Literarischer Nachschlag

Was für merkwürdige Dinge erlebt man doch auf Reisen. Und wie viel gescheiter wäre es man bliebe daheim. (Voltaire)

 

Samstag, 25. November 2006

 

MbiRoBa Camp – Selindaspillway – kurz vor Chobe Linyantiygate

 

Ein Hippo wiehert im Morgengrauen im angrenzenden Sumpf, das reißt uns aus den Federn. Leider ist das Gras zu hoch und das Gelände zu weitläufig, wir können das Tier nicht ausmachen.

Um 6 Uhr 30 sind wir startklar und brechen sehr gespannt zu unserem Tagestrip in Richtung Linyanti auf.

 

 

Zurückhaltende Mädchen

Aufgeweckte Buben

 

 

Die Menschen entlang des Okawango sind auch schon mit ihren alltäglichen Beschäftigungen zugange. Wasser wird herbeigebracht, manche Rinder werden aus dem Kral geholt um auf die Weide zu gehen, andere werden eingespannt um den Pflug oder Schlitten zu ziehen.

Die Piste ist gut und wir staunen nicht schlecht als uns ein Landcruiser mit Schweizer/ Deutscher Besatzung aus unserer Richtung entgegen kommt. Informationen aus erster Hand, wie praktisch!

Alles über die Beiden unter www.hakuna-matata.com

 

 

Nach besiedeltem Gebiet treffen wir auf Jagdgebiet

Tiefsandig geht es durch den Mopanebusch

 

 

Nach dem Gate zum Jagdkonzessionsgebiet wird der Sand schwerer, aber immer wieder folgen erholsame Abschnitte und es bleibt auch Zeit nach den wilden Tieren zu schauen.

Der unvermeidliche Mopanewald steht dicht, die Bewölkung nimmt zu, dann und wann kratzt es laut am Unterboden. Immer wieder muß Uwe Äste entfernen die aufgegabelt wurden.

Wir biegen ab in Richtung Transit Kasane und schon am ersten Wasserloch beobachten wir, wie eine große Anzahl Elefanten ein ausgiebiges Bad nimmt. Die kleinen Babyelefanten versinken bis zum Kopf in den Schlammlöchern.

 

 

Die Elefantenbabys suhlen sich im Schlamm

Die Elefanten haben uns nicht gewittert

 

 

Sie starren vor Schlamm wenn sie wieder heraus klettern. Sofort folgt eine Dusche und im Anschuß wieder ein Schlammbad. Das muß einfach nur herrlich sein!

 

 

Dicke Wassertropfen fallen nieder

Die Scheibenwischer leisten Höchstarbeit

 

 

Ein heftiges Gewitter beginnt sich zu entladen, während sich vor uns das Tierparadies öffnet. Wir haben das Schwemmland des Linyanti erreicht. Dicke Regentropfen, vom Sturm getrieben, glitzern wie Edelsteine unter den letzten Strahlen der sich verfinsternden Sonne. So schwer die rote Erde unter der Nässe zu riechen beginnt, so leichtfüßig springen die Impalas davon. Die Giraffen  weichen behände unserem Wunsch voran zu kommen aus, und die Zebras genießen die erfrischende Dusche.

 

 

Hippopotamus amphibius (Flusspferd)

Warzenschwein

 

 

Wir erschrecken uns fast, als plötzlich vor uns ein Hippo auf der Straße steht. Es ist sich seiner Sache sehr sicher und nutzt den bewölkten Himmel zu einem Ausflug auf das Land. Das Gewitter hüllt uns ein, aber der Spuk dauert nicht lange und ein prächtiger Regenbogen spannt sich über die Gegend.

Heute verbrachten wir 11 Stunden im Auto und sind viele, mühsame Kilometer gefahren. Wir haben freundliche Menschen getroffen, herrliche Landschaften gesehen und Tiere ganz nah erlebt. Im Busch, nahe dem Linyanti, an einem trockenen Wasserloch fallen wir nach einem schnellen Essen mit Einbruch der Nacht in die Kissen. Bis auf die Mücken ist es erst ruhig, dann knurrt etwas. Der Magen von Uwe? Nein, so laut ist der nicht und so schön grunzt Uwe auch nicht im Schlaf.

Um die Ecke genießt ein Hippo das saftige Gras. Ansonsten bleibt es bis auf das mehrmalige Schrecken einer Antilope ruhig. 

 

Literarisches Betthupferl

.... In der Luft liegt ein Geruch von Abwasser, Holzfeuer, kaltem Schweiß, trockenen Tierhäuten und Frühstück... (H.M. Stanley, in Auf nach Afrika v. Martin Dugard)

 

Sonntag, 26. November 2006 

 

Chobe Park – Schwemmland des Linyanti – Kasane – Carnet – Kubu Lodge

 

So ruhig wie wir uns gestern hier einquartiert haben, wollen wir, ohne Frühstück und Aufsehen, nun auch weg. Wir sitzen im Auto und besprechen gerade die Route, als genau vor uns eine Herde Elefanten aus dem Busch kommt. Das Leittier nimmt Witterung auf. Wir Menschen würden vor dem dichten Mopanebusch wie vor einer undurchdringlichen Mauer stehen. Aber die massigen Elefanten knicken die Äste wie Zündhölzer und in einem großen Karacho donnert die ganze Schar davon. Ein lautes und selbstbewußtes Trompeten dröhnt in unsere Richtung. Dann ist es mucksmäuschen still. Das war ein sehr eindrucksvoller Auftritt, selbst die gefiederte Welt scheint für einen Moment die Stimme verloren zu haben.

Wenige Momente später setzen die Vögel ihren Gesang fort und wir folgen der Cutline in nördlicher Richtung. Sie dient als Feuerschneise und ist zugleich die Grenze zum Park.

 

 

Giraffen beobachten uns beim Frühstück

am Host Vogel View Point

 

 

Einige Elefanten queren die Cutline und ein großer Bulle meldet ungeduldig trompetend seine Vorfahrt an. Die Giraffen finden unsere Anwesenheit wohl eher abwechslungsreich. Sie schauen neugierig her und lassen sich gar nicht stören, als wir zum Frühstücken einen Logenplatz am nördlichsten Ende der Cutline, mit Blick auf die Linyantisümpfe, wählen.

Unser Weg führt uns durch das Gebiet des Schwemmlandes am Linyanti. Treu folgen wir unserem GPS und staunen immer wieder über die Tiere und die Naturschönheiten, die wir sehen. Die reichhaltige Tierwelt des Chobegebietes ist hinreichend bekannt, so ist es nicht notwendig die Artenvielfalt hier zu schildern.

Die Piste bietet von weichem, tiefem Sand, bis zur ausgefahrenen, bewohnten Schlammpfütze (Schildkröten) alles. Ebenso die Vegetation, alter, hoher Baumbewuchs und Salzpfannen wechseln ab mit Mopane- und Akazienbusch. Eine herrliche Landschaft, dann folgt die grüne Savanne, wie Antilopen und Löwen sie lieben. Doch weit gefehlt, Kühe weiden hier, nachts sind sie sicher im gut verschlossenen Kral untergebracht.

Wir erreichen das erste Dorf und sind zurück in der Zivilisation. Der Ort Parakarungu ist umgeben von Makalanipalmen, die Menschen sind geschäftig unterwegs. Zwischen den Hütten laufen Ziegen und Kühe, es gibt neben kleinen Shops und der Schule, eine Kirche und eine Bar.

 

 

Bar in Satau

Kurz hinter Kachikau

 

 

Mitten im derzeit trockenen Liambezischwemmland erreichen wir den Ort Satau. Die Piste wird sehr gut, die Fahrrichtung wechselt nach Süd – Osten und schon bald ist der Ort Kachikau und die Verbindungsstraße Savuti – Kasane erreicht. Wir fahren in Richtung Kasane und Kachikau bleibt hinter uns zurück. Große Baobabs zieren die Landschaft und wenig später rollt der Landy auf der Transit Route durch den Chobe Park. Kaffernhornraben watscheln durch das Gebüsch.

 

 

Vorsicht Zebrastreifen auf Transitstrecke

Die Herde die kurz vorher die Straße gekreuzt hat

nimmt ein Schlammbad und

zieht weiter

 

 

Eine Herde Elefanten schickt sich an, die Straße zu überqueren und läuft direkt in ein großes Wasserloch. Das prustende, spritzende Vergnügen endet leider abrupt. Ein sich schnell nähernder PKW schreckt die Tiere auf. Sie werden nervös und rennen aus dem Wasser, die Anhöhe hinauf und verschwinden im Busch.

In Kazungula reisen wir aus Botswana aus. Die Carnetverlängerung ist eine Nervenprobe, aber alles klappt. Am Ende des Tages zurück in Kazungula, campieren wir auf der Kubulodge. Als einziges Fahrzeug am Platz werden wir von einem Wachmann bewacht. Angeblich sollen Banden aus Namibia mit dem Boot über den Sambesi kommen und hier unvorsichtige Touristen berauben.

Nachts grunzen die Hippos im Sambesi.

 

Kulinarisches Betthupferl

Die Mopaneraupe lebt wie der Name schon sagt am Mopane, dem echten versteht sich. Die Eier aus denen die Raupen schlüpfen, sind eng neben einander am Stamm abgelegt. Die Raupen werden dick wie ein kleiner Finger und geröstet oder gekocht sollen sie eine Delikatesse sein, wir haben es noch nicht probiert.

 

Montag, 27. November 2006

 

Kasane – Ngwezumbadam - Savuti

 

 

Die morgendlichen Räuber auf der Kubulodge (Meerkatze)

Mungos (gehören zu den Schleichkatzen)

 

 

Am Morgen erledigen wir Einkäufe und besuchen ein Internet Cafe in Kasane. Mitten im Ort tummelt sich eine  Warzenschwein Bache mit ihren Jungen. Steil, wie eine ausgefahrene Antenne, ragen die kleinen Schwänze der Schweine in die Luft. Die Quaste wackelt bei jedem Schritt der Tiere lustig hin und her. Die Schweine zeigen keinerlei Interesse für den alltäglichen Trubel, der um sie herum stattfindet und laben sich genüsslich am Inhalt eines umgerissenen Mülleimers. Gegen 10 Uhr machen wir uns auf in Richtung Savuti und wählen die Piste über Ngwezumba.

Dazu biegen wir nach 17 Kilometern von der Transitstraße nach links ab. Der Weg  ist erst gut zu fahren, später dann gespickt mit kurzen tiefen Sandpassagen. Die Wasserlöcher sind trocken, dichter Mopanebusch wechselt sich ab mit weiten Steppenlandschaften und großen Akazienbäumen. Hier fühlen sich Giraffen und die Zebras wohl. Der helle Streifen im Fell der Zebras hat die rötliche Farbe des Sandes dieser Gegend angenommen.

Ab Ngwezumba, hier kommt die Zufahrt vom Chobe Forest von rechts, führt der Weg am Fluss entlang und die Wasserlöcher sind feucht. Völlig unerwartet treten Elefanten aus dem dichten Busch und queren die Piste. Mitten in der Fahrspur haben die Tiere nach Wasser gegraben. Diese tiefen Löcher müssen umfahren werden.

Die abwechslungsreiche Piste schlängelt sich durch vielfältige Landschaften am Fluss entlang und durch die Ausläufer des Chobe Forest Reserve.

Auf einer offenen mit dichtem Gras bewachsenen Fläche kreisen große und kleine Raubvögel in tiefen und engen Schleifen über die Fläche. Im Flug fangen und verspeisen sie dicke, uns unbekannte Insekten.

Dann geraten wir in eine Falle. Verdeckt durch den dichten Mopane bemerken wir erst im letzten Moment eine große Herde Elefanten, die direkt neben der Straße in einem Wasserloch badet. Eben schicken sie sich an, den Platz zu verlassen. Ein Tier geht in Fahrtrichtung um die Straße zu sichern. Ein Elefant stellt sich breit vor uns und wartet, dass wir zurück setzen. Das können wir nicht, da von hinten schon die nächste Elefantengruppe die Wasserstelle ansteuert.

 

 

Vor uns und so

sieht es im Rückspiegel aus

 

 

Ein Elefantenbaby scheint sich so auf das Nass zu freuen, das es eilig vorne weg läuft. Erst auf Höhe der Fahrertüre folgt es dem stummen Rückruf der Mutter und dreht um. Die Gruppe hinter uns hat Witterung aufgenommen und dreht ab. Vorsichtig setzen wir im dichten Mopane zurück und gewährleisten so den Tieren vor uns einen entspannten Abzug. Der sichernde Elefant bleibt stehen, bis auch der letzte Nachzügler das Wasserloch verlassen hat. Wie zum Dank hebt er den Rüssel in unsere Richtung. Dann verschluckt der dichte Busch das Tier.

Da die Tagesstrecke sehr weit ist und die Piste schlechter als gedacht, bleibt für Unterbrechungen diese Art eigentlich gar keine Zeit. Etwa 45 Kilometer vor Savuti treffen wir bei weiteren schönen Wasserlöchern den größten Elefanten, den wir bisher gesehen haben und eine Gruppe Wasserbüffel. Dann folgen über 40 Kilometer fast nur noch ermüdender Mopanebusch bis kurz vor Savuti.

Erschöpft dreht Uwe den Schlüssel herum. Als der Motor aus ist, dringt lautes vielstimmiges Löwengebrüll an unsere Ohren. Ein wütender Elefant trompetet wild hinterher.

 

 

Wasserbüffel

Savuticamp

 

 

Das ist Savuti! Es ist bereits dunkel und das elefantensichere Duschhaus ist außer Sichtweite. Uwe macht sich auf den Weg zur Dusche, währenddessen bereite ich das Abendessen zu und decke den Tisch. Wir sitzen mit Blick auf den Busch und lauschen den Geräuschen. Außer einer frechen urkomischen dicken Maus, die sogar versucht an den Zehennägeln zu knabbern, schleicht sich nichts an unser Lager. Die ganze Nacht brüllen immer wieder die Löwen. Ihr Gebrüll ist je nach Wetterlage auf eine Distanz bis zu 8 Kilometern zu hören. Die Löwen sind die größte afrikanische Katzenart. Der Löwe ist ein Pascha, schläft viel und läßt die Frauen auf die Jagd gehen. Um Beute zu machen, schleichen die Löwinnen das Beutetier an und spurten mit bis zu 70 Sachen auf die Beute zu um den tödlichen Biss zu setzen.

 

Literarisches Betthupferl

Fortsetzung

...Nachdem er ein paarmal um die Tische gewandert war, verließ uns der Elefant endlich, ging seiner Wege und verschwand in der Dunkelheit. Als das Dröhnen des Bodens verstummt und die Finsternis wieder still geworden war, fragte mich einer der Tansanier neben mir: „Hast du das gesehen?“  „ Ja“, erwiderte ich, immer noch halbtot. „Ein Elefant.“ „ Nein“, sagte er. „Der Geist Afrikas nimmt immer die Gestalt eines Elefanten an. Weil kein Tier den Elefanten besiegen kann..... ( aus Afrikanisches Fieber, R. Kapucinski www.piper.de)

 

Dienstag, 28.November 2006

 

Savuti Pirschfahrt – Buschfahrt nur für Abenteurer in Richtung Khwai River

 

Vor sechs Uhr früh verlassen wir den Platz und steuern dem Löwengebrüll nach. Die Tiere befinden sich aber weit abseits der Piste und außerhalb der Sichtweite, somit bleibt uns nur übrig dem Gebrüll zu lauschen. 

Unserem Streifzug durch den Park folgen die Bushman Painting Hills. Hier ist es erlaubt mit gewisser Vorsicht aus dem Auto zu steigen. Wir kochen Kaffee und frühstücken genussvoll. Ein vorbeikommender Ranger zeigt uns Löwenspuren am Boden, angeblich von dieser Nacht.

Unsere Pirschfahrt führt noch mal zurück nach Norden zu den Löwen. Die aber bleiben im Busch. Neben verschiedenen Vögeln sehen wir unzählige Impalas, viele Kudus und Kuhantilopen.

Da wir einen weiteren Weg abseits der ausgetretenen Touristenpfade erkunden wollen, biegen wir nach einer kurzen Schleife im Savuti Marsch (Gazellen, Giraffen, Gnus und Zebras) in Richtung Westen ab. Etwa 22 Kilometer trennen uns vom Abzweig nach Khwai River.

 

 

Abseits ausgetretener Touristenpfade

Nicht immer ein Vergnügen

 

 

Der Weg ist auf der Schellkarte eingezeichnet und führt in ein Trockenflussbett. Schnell wird er immer unübersichtlicher, wir haben uns verfahren und stecken im engen Mopane fest. Da hilft nur umdrehen und den gefahrenen Track anhand vom GPS zurückverfolgen. Wir finden den richtigen Weg wieder. Mühsam schlängelt er sich meist durch Mopanebusch, aber immer noch auf Parkgelände dahin. Uwe vermutet, wenn der Weg die Grenze des Parks erreicht, könnte er besser werden denn da kommt von Norden her die Cutline. Ab hier, so hoffen wir, ist der Abzweig nach Khwai River bestimmt stärker befahren.

Endlich liegt die Cutline vor uns, wir wissen nicht wie weit sie in beide Richtungen befahrbar ist. Nicht gerade verlockend, dieser tiefe von LKW`s und Planierraupen durchwühlte Sand, voller Wurzeln und Mopanebüsche.

Aber wo ist denn unser Weg? Er sollte noch 11 Kilometer geradeaus weiter führen bis zum Abzweig. Wild entschlossen holpern wir geradeaus in den Busch, Augen auf und durch.

Zwei umgefallene Bäume versperren den Pfad, wir räumen sie mühsam zur Seite. Die kommenden 11 Kilometer raten wir ausdrücklich nur Reisenden, die gerne durch dichten Busch fahren und vor Kratzern am Auto nicht zurückschrecken. Der Pfad ist größtenteils nur „einspurig“ von den Elefanten genutzt und die lassen gerne Reste ihrer Mahlzeiten auf dem Weg liegen. Jeder Dornbusch der am Landy entlang kratz, reibt auch unsanft an unserer guten Laune. Das scheint ja kein Ende zu nehmen. Endlich eine Stunde später und 11 Kilometern weiter, treffen wir auf die Piste, die von Seronga kommt, Hurra!

 

 

Immer wieder mal Hölzchen unterm Auto entfernen

Endlich die Verbindungsstrecke Seronga – Maun erreicht!

 

 

Auf den ersten Blick erscheint sie uns wie eine Autobahn. Aber auch dieser Weg hat tückische Passagen. Tiefer weicher Sand und mit viel Wasser gefüllte Lehmpfützen lassen uns längst nicht so rasch vorwärts kommen wie erhofft.

An einem großen Wasserloch campieren wir. Wenige Meter weiter gabelt sich der Weg. Von hier gibt es zwei Varianten zum North Gate des Moremi Game Reserve und an den Khwairiver zu fahren. Das wollen wir in Ruhe überlegen.

 

Kämpferisches Betthupferl

Laßt uns das Unmögliche möglich machen.

(Che Guevara)

 

Mittwoch, 29.November 2006

 

Khwairiver – Wasserschlacht – Moowara Pan nähe Airstrip

 

Am bequemsten ist es wohl den Hauptweg weiter zufahren, aber wir entscheiden uns für die Wegvariante, die weiter nach Süd- Westen führt. Dann bietet sich die Möglichkeit am Ufer des Khwai River entlang wieder nach Osten- in Richtung North Gate zu fahren.

 

 

Übernachtung am großen Wasserloch

Richtung Khwairiver

 

 

Schon nach wenigen Kilometern kommt das erste Schlammloch, gefolgt von einer langen Weichsandpassage, die ein LKW tief ausgefahren hat. Früh am Morgen sind wir hoch motiviert und denken gar nicht daran umzudrehen. Der Khwairiver kommt schließlich auf dem GPS immer näher. Leider sehen wir kaum Tiere. Wir halten uns in Richtung Fluss und staunen nicht schlecht, da der Weg sofort durch das Wasser führt.

So weit es geht, benutzen wir die vorhandene Fahrspur, und um- beziehungsweise durchfahren die schlammigen Wasserpassagen. Der Landy tut sich sehr schwer und die Vorstellung das Auto hier im Schlamm zu versenken gefällt uns gar nicht. Dieser Track wird wohl zu anderen Jahreszeiten gefahren, wir wollen nicht cooler sein, als wir sind und drehen um. So kehren wir auf das trockene Land zurück und folgen einem Weg, den wir nicht im GPS haben, nach Nord-Osten. Er schlängelt sich an einem Seitenarm des Khwai Rivers entlang durch eine zauberhafte Landschaft. Ähnlich wie im Savuti Marsch durchfahren wir hier einen Akazienfriedhof. Die Landschaft ist wunderschön, so stellen wir uns das Paradies für Tiere vor. Hohe Bäume und dichter dschungelartiger Busch wechseln sich ab mit weiten, grünen Grasebenen, die mit glitzernden Wasserflächen durchzogen sind. Hippos, Seerosen, Enten und Reiher aller Art beleben die Gewässer. Es gefällt uns ausnehmend gut hier, aber der Weg führt uns auch ins Ungewisse. Der Seitenarm des Khwai Rivers zieht sich an Hand der Karte noch weit nach Norden. Den Flußarm müssen wir aber überqueren um letztlich weiter nach Süden fahren zu können.

 

 

Zuviel Wasser!

Moowara Pan

 

 

Wieder Wasser und sogar eine Furt, erst als wir drüben sind, registriert Uwe anhand vom GPS, das wir auf der anderen Flussseite sind. Die Landschaft bleibt wunderschön und nichts stört diesen einzigartigen Lebensraum für Tiere. Vor uns die Moowara Pan, hier schlagen wir unter einem großen Baum unser Lager auf. In der begrünten Pfanne befinden sich einige Wasserstellen. Neben vielen Vögeln unterhalten uns Impalas und Paviane.    

Immer wenn sich der Wind in der Nacht legt, hören wir die Löwen brüllen.

 

Philosophisches Betthupferl

Eine Reise ist wie das Leben an sich,

kein bequemer und entspannter Zustand,

sondern ein einzigartiges und forderndes Abenteuer. ( G. Marcel)

 

Donnerstag, 30. November 2006

 

Khwai River - Maun

 

Am Morgen werden wir von bellenden Schakalen geweckt. Es ist nicht zu erkennen um was sich die Tiere hinter dem Busch streiten. Das Moremi Game Reserve reizt uns sehr und wir planen euphorisch vorab eine Übernachtung in Kaxanaxa und eine bei Third Bridge.

Es war ein weiter Weg hierher und wir freuen uns schon sehr auf großartige Tiererlebnisse im Moremi Game Reserve.

Auf dem kurzen Weg zum North Gate sehen wir viele Tiere, das stimmt uns nachdenklich. Am Eingang bekommen wir die Bestätigung aus erster Hand. Mehr Tiere sind außerhalb zu sehen, als im Park. Auch der Löwe brüllte vor und nicht hinter der Pula Schranke.

 

 

Entlang dem Khwairiver

Moorantilopen

 

 

Der frühe Regen hat tatsächlich nicht nur im Kaudom und Chobe, sondern auch im Moremi Game Reserve viele Tiere abwandern lassen.

Was tun? Die Entscheidung fällt uns nicht mehr schwer, nachdem wir weiter am Khwai River entlang fahren. Neben Hippos, Wasserböcken, Elefanten  und vielem mehr, sehen wir die roten Moorantilopen.

Entlang dem Khwai River stoßen wir auf die überflutete Cutline. Hier ist auch für 4x4 PKW kein Weiterkommen. Der Khwai führt derzeit zuviel Wasser.

Aber wir werden uns über den Zustand der Piste noch aus der entgegengesetzten Richtung ein Bild machen.

 

 

Immer wieder Hippos

entlang des Khwairivers

 

 

So bleibt erst nur die Normalroute in Richtung Maun. Aber an einem unscheinbaren Abzweig nach rechts, verlassen wir die Piste und folgen dem nun trockenen Khwai. Allerdings haben die heftigen Regenschauer der letzten Zeit nicht nur die Pfannen am Weg angefüllt, sondern auch die Senken in der Piste. Wir umfahren sie, da diese glitschigen Schlammlöcher oft „grundlos“ sind. Der Weg führt durch ein Waldstück mit altem Baumbestand. In der wunderschönen Landschaft entlang dem Khwairiver leben Elefanten, Zebras, Impalas und unzählige Vögel.

Wir treffen auf eine Kreuzung. Siehe da, ein Haar in der Suppe gibt es! Diesen Abstecher können wir leider nicht weiter empfehlen. Wer da einbiegt wo wir jetzt herkommen (von unserer Seite nicht gekennzeichnet) steht vor einem NO ENTRY Schild des Jagdkonzessionsgebietes.

 

 

Wasserbock

No entry. Das wussten wir nicht!

 

 

Genau hier trifft die vorher besprochene Cutline, von Moremi kommend fast parallel auf den Normalweg nach Maun.

Wir machen uns nun ein Bild über den Zustand der Cutline in beide Richtungen und müssen jeweils nach wenigen hundert Metern passen. Die Fahrspuren in den schlammigen Wasserlöchern sind von LKW unpassierbar tief ausgefahren. Also drehen wir um und nehmen die normale gegräderte Piste.

Ab Shorobe tut sich das Wunder einer Teerstraße vor uns auf. Dieses gute Gefühl wird jeder nachvollziehen können, der diese vielen Kilometer abseits der ausgetretenen Touristenpfade hinter sich hat.

Ein kurze Hüpfer und wir sind in Maun. Hier campieren wir im Sedia Hotel.

 

Nachdenkliches Betthupferl

Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann,

so ist es der Glaube an die eigene Kraft (Marie v.Ebner-Eschenbach)

 

Freitag, den 1. Dezember 2006

 

Maun - Kalaharihighway – Kang

 

Der Platz am Sedia Hotel ist weiter zu empfehlen, mit Pool, Internet und sauberen Sanitäranlagen.

An der Tankstelle erhöhen wir den Luftdruck wieder auf teerstraßentaugliche 3,2 Bar. Dann folgen wir dem Asphaltband, das die Verbindung vom

Atlantischen Ozean zum Indischen Ozean darstellt. Das letzte Teilstück des Highways wurde 1998 fertig gestellt und erleichtert nicht nur uns Touristen das Vorankommen. Früher wurden die schlachtreifen Rinder von Ghanzi nach Lobatse getrieben. In Lobatse befindet sich der größte Schlachthof Afrikas. Die Viehhirten mussten während der wochenlangen Wanderung ihre wertvolle Fracht gegen die Raubtiere verteidigen. Löwen und Hyänen folgten den Trecks mit der leichten Beute.

Kilometer um Kilometer zieht die Kalahari an uns vorbei. Rinder und Ziegen grasen zwischen Akazien und Dornbüschen, ab und an passieren wir unauffällige Abzweigungen zu kleinen Dörfern.

Dann erreichen wir den Ort Kang. An der Tankstelle füllen die Truckerfahrer noch mal die Tanks ihrer LKW, um die gigantischen Distanzen von Walfishbay über Johannesburg nach Maputo zu bewältigen.

Wir verlassen den Highway in Richtung Hukunzi, Lokgwabe und Mabuesehube National Park. Im kleinen Ort Lokgwabe starb der Namaführer Simon Cooper im Exil. (Nama-Aufstand gegen die Deutsche Kolonialmacht)

In Lokgwabe muss die Luft wieder aus den Pneus, sonst gibt es im weichen, roten Sand kein Weiterkommen. Bald sind die Rinderspuren nicht mehr zu sehen und nur noch einige scheue Dik Dik huschen vor uns in die Sträucher. Tiefrot leuchtet der Kalaharisand in der Dämmerung. Da die Sonne schon hinter den Bäumen verschwindet, hoppeln wir von der zweispurigen, weichsandigen Piste in das lichte Gebüsch. Hundert Meter abseits stellen wir uns unter einen Baum. Dann nimmt der Wind zu und der Himmel bedeckt sich.

 

Selbstgemachtes Betthupferl

Unbeschreiblich

... diese Momente, Augenblicke und Situationen 

in denen unsere Gedanken sich berühren

und wir uns wortlos verstehen...

(Gabi Christa)

 

Samstag, 2. Dezember 2006

 

Mabuasehube National Park – Bosobogolo Pan

 

An diesem frühen Morgen gibt es für uns nichts Schöneres, als frisch ausgeschlafen durch den tiefroten Kalaharisand zu cruisen. Es hat hier schon geregnet und der ansonsten weiche Sand ist angenehm griffig. Vor uns quert eine Herde Kuhantilopen mit Jungtieren die Piste und immer wieder kreuzen Dik Diks den Weg. Die sind lustig anzusehen. Starr stehen sie auf ihren dünnen Beinen und der kleine Kopf, mit den großen dunklen Augen verharrt unbeweglich in unsere Richtung, während der kleine Schwanz wild aufgeregt hin und her saust. Mit einem blitzartigen Sprung verschwinden die kleinen Antilopen meist aus unserem Blickfeld. Wir fangen an zu zählen und am Ende des Tages sind es 48 Tiere dieser Art.

Die Tierwelt ist sehr scheu hier, auch die Oryxantilopen preschen davon und zwei Sekretärsvögel machen sich mit ihren langen Stelzenbeinen eilig im Gebüsch davon. Uwe amüsiert sich sehr über die „Clearence“ , zu deutsch „Bodenfreiheit“, dieser eigenwilligen Vögel.

Zarte Wölkchen tummeln sich am Himmel und die Temperatur steigt am Vormittag wieder in den sehr durstigen Bereich.

 

 

Cruisen in der Kalahari

Mabuasehube Gate

 

 

Da heute Samstag ist, haben wir Mühe ohne Vorrausbuchung in den Mabuasehube Park einzureisen. Was wir nicht wussten, das Büro in Gaborone hat am Wochenende zu! Nun kann die hilfsbereite Dame unsere Buchung nicht telefonisch in Gaborone melden. Gestern war ein Gast da, heute sind wir die ersten Gäste. Die junge Frau ist hilfsbereit und wir bekommen den gewünschten Platz an der Bosobogolo Pan. Diese Pan liegt der Route ins Nossob Valley, die 170 Kilometer in Anspruch nimmt, am nächsten.

Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber falls Gäste aus der anderen Richtung mit einer Buchung für unseren Platz kommen, müssen wir abziehen.

Obwohl es sehr heiß ist, drehen wir eine Schleife durch den Park. Die Pans sind trotz der Mittagshitze von einigen Springböcken, Straussen, Gnus, ganzen Geiergruppen und den hartgesottenen Oryxantilopen besucht.

An der mit kurzem Gras bewachsene Bosobogolo Pan schlagen wir unser Lager auf. Die witzigen Erdhörnchen liefern für uns einen sehr guten Unterhaltungswert, während nebenbei in den Büschen die Vögel zwitschern und irgendwo tausend unsichtbare Grillen zirpen.

 

 

Khalagadie- und Mabuasehube NP zeichnen sich durch Ruhe und Stille aus

 

 

Gegen Abend ziehen immer mehr Tiere in die Pan und in Richtung Wasserstelle. Es ist wie ein Traum, der lange auf sich warten ließ. Aber genau so haben wir uns das immer vorgestellt. Die Sonne versinkt am westlichen Horizont und ihre letzten Strahlen färben die Pan in ein gelbes Licht. Unzählige Tiere beleben mittlerweile die Pan, durch die tief stehende Sonne werfen sie lange Schatten und wirken groß und mächtig.

Der fast volle Mond geht auf und löst das Sonnenlicht ab, es wird nicht dunkel in der Bosogobolo Pan. Schweigend genießen wir die Stimmung und ein kleines Feuer erlöst uns vor den aufdringlichen fliegenden Ameisen.

Gerade als wir uns entschließen in das Zelt zu gehen, taucht am gegenüberliegenden Ende der Pan ein Licht auf. Ein Auto- es nähert sich in fliegender Geschwindigkeit. O je, sind das die späten Gäste mit Anspruch auf unseren Platz? Die Frage klärt sich schnell. Die Soldaten, freundlich und sympathisch, sind auf dem Weg nach Hukunzi und haben den Abzweig zum Gate verpasst. Hupend und winkend ziehen sie, nach einer kurzen Erklärung, in die richtige Richtung ab. Wieder kehrt Ruhe ein, dann reibe ich mir die schon müden Augen. Eine ausgewachsene Tüpfelhyäne steht uns am erlöschenden Feuer gegenüber. Die Begegnung ist nicht beängstigend, das Tier prüft lediglich ob es nichts zu fressen findet und umkreist im akzeptablen Abstand von drei Metern unser Lager. Zwischenzeitlich holt Uwe die Kamera aus dem Auto. Zu spät, die Hyäne verschwindet in der Dunkelheit und ist nicht mehr zu sehen.

 

Literarisches Betthupferl

Wenn du das große Spiel der Welt gesehen,

so kehrst du reicher in dich selbst zurück. ( Friedrich v. Schiller)

 

Sonntag 3. Dezember 2006

 

Bosongobolo Pan- Kalahari – Nossobvalley

 

Mit der Dämmerung stehen wir auf und beobachten wie die aufgehende Sonne die Pan erleuchtet. Nach und nach ziehen sich die Tiere zurück und wandern in die angrenzende Busch- und Strauchregion.

 

 

Dikdik

Für diese Strecke muss man sich Zeit nehmen

 

 

Als wir uns zwei Stunden später auf die 170 Kilometer lange Route in das Nossob Valley machen ist die Pan wieder ausgestorben. Der unbedingte Reiz dieser Strecke ist nicht die aus phantastischem rotem Sand bestehend Wellblechpiste, sondern es ist vielmehr die Gesamtausstrahlung der Halbwüste. Die mit Gras und niedrigem Busch bewachsene Landschaft ist durchsetzt mit Pans und bietet abwechslungsreichen Lebensraum für viele Tiere. Diese Route ist ein Traum für 4x4- und Landschaftsfreaks.

Der Tag ist wieder glühend heiß, uns schmilzt schier das Mark aus den Knochen und wir sind froh als am Nachmittag das Nossobtal vor uns liegt.

 

 

Fütterung der Raubtiere

Erdhörnchen mit Schattendach

 

 

Die Erdhörnchen im Nossobcamp sind zahm und die Schakale tragen alles fort, was nicht angebunden ist. Der Campingplatz, mit Tankstelle und kleinem Shop ist pikobello sauber und es gibt jetzt auch hier einen Pool! Wir sind zurück in der Zivilisation und machen uns morgen auf den Weg nach Kapstadt.

Der Vollmond erhellt das Gelände, ein Schakal klappert erfolglos die Mülltonnen ab, denn sie sind gut verschlossen. Ein kalter Wind verschafft uns ideale Temperaturen zum Schlafen. Ein Löwe brüllt sehr nahe, das kann auch Uwe nicht überhören. Der Löwe atmet nach dem Brüllen schwer, dann holt das in der Dunkelheit verborgene Raubtier wieder tief Luft und untermauert seine Macht stimmgewaltig.

 

Philosophisches Betthupferl

Unsere Erlebnisse sind viel mehr das was wir hineinlegen,

als das, was darin liegt. (Friedrich Nietzsche)

 

Montag, den 4. Dezember 2006

 

Nossobcamp - Upington – Orangweruscamp

 

Uwe hat heute Geburtstag. Es wäre zu schön, wenn wir die Löwen oder Geparden  finden würden. Letztere haben gestern an der Leuwpan einen Springbock erjagt.

Neben Kuhantilopen, Springböcken, Kudus, Oryx, und Gnus entdecken wir in einem großen Siedelwebervolgelnest etwas Besonderes. Ganz ruhig verharrt eine Schleiereule in einer Nische des großen Nestes. Die Untermieterin lässt sich von dem wilden Rein und Raus der Siedelwebervögel nicht stören.

 

 

Schleiereule

Schakal am Gepardenkill

 

 

Bei der Leupan laben sich nur noch zwei Schakale an den Resten des Gepardenkills. Die Bäuche der Schakale sind ganz rund von dem vielen Fressen und ihre Schnauzen sind mit Blut verschmiert. Sie können die Überbleibsel des Springbocks nicht wegziehen, da sich das Gehörn in einem Busch fest eingehakt hat. 

Kurz vor dem Twee Rivieren Gate vereinigen sich die Trockenflussbetten des Nossob und Auob. Die beiden Flüsse speisen wie der aus Osten kommende Kuruman den Molopo. Der Molopo ist der Grenzfluss zwischen Botswana und Südafrika und mündet unterhalb der Augrabiesfälle in den Orange.

Am Gate steuern wir zuerst den Posten von Botswana an, wir müssen noch ausreisen. Dann erfolgt die Einreise nach Südafrika am Twee Riveren Posten.

Obwohl noch einige Kilometer Rüttelpiste vor uns liegen, wird der Luftdruck jetzt schon erhöht. Die nächste Tankstelle gibt es erst in Upington. Bis dahin liegen noch viele Kilometer durch die Ausläufer der Kalahari vor uns. Die roten Dünen sind mit wenigen Grasbüscheln bewachsen. Die Gegend lechzt nach Wasser. Immer wieder durchbrechen kreisrunde, vegetationslose Pfannen die Landschaft.

Es ist schon 17 Uhr als wir in Upington eintreffen.

In Upington bietet sich versorgungstechnisch wieder alles. Die Entstehung des Ortes begann 1871 mit der Errichtung einer Missionsstation. Schon die Missionare schufen ein Bewässerungssystem und somit die Grundlage für das baldige Aufblühen der Gemeinde. Der Name Upington kommt von Thomas Upington, der war Premierminister der Kapkolonie von 1884 bis 1896. Upington liegt am Westufer des Orangeflusses. Von hier dehnt sich in Richtung Norden die Kalahari aus. Deshalb ist es im Sommer hier sehr heiß. Es gibt einen modernen Flughafen und auch Zuganschluss. Upington ist das Handels- und Landwirtschaftszentrum des nordwestlichen Teils der Provinz Nord Kap. Der Orange führt ganzjährig Wasser und lässt hier in großem Umfang die Produktion von Baumwolle, Datteln, Tafeltrauben und anderen Früchten zu. Die South African Dried Fruit Cooperative ist weltweit die Zweitgrößte und modernste Anlage dieser Art.

Ein weiterer Superlativ ist hier die größte Winzer–Kooperative des Landes, die Oranje River Wine Celars. Ausreichend Wasser macht es möglich, dass an so einem abgeschiedenen Ort derart produktiv gearbeitet werden kann.

Neben Öl für den Landy besorgen wir für uns frisches Baguette. Nun trennt uns nur noch eine Übernachtung vom Sandpipercrescent. Der Campingplatz in Upington hat uns letztes Jahr nicht gefallen, also verlassen wir die Stadt in Richtung Keimoes. Auf der Höhe von Kanoneiland ist ein Camp ausgewiesen. Vor der Zufahrtsstraße, ist noch ein weiteres Camp beschildert. Wir sind darüber froh, denn der erste Platz gefällt uns nicht. Zum zweiten Camp, Oranjerus ist es noch 2,5 Kilometer weiter.

 

 

Siedelwebervögelnester

Guten Appetit und Happy Birthday

 

 

Der Platz liegt am Orange und ist neu gestaltet. Wir lagern im Eck, auf der Anhöhe mit Blick über den Fluss. Er führt viel Wasser und unter uns befindet sich eine kleine Stromschnelle. Der Vollmond wirft sein geborgtes Licht über die rauschende Flut, der Fluss glitzert in der Nacht. Ein toller Blick, eine romantische Stimmung, unser letzter Reiseabend, und was wir schon gar nicht erwartet haben, keine Mücken! 

 

Philosophisches Betthupferl

Als der Meister einst an einem Fluss stand, sprach er:

So fließt alles dahin – rastlos, Tag und Nacht. (Konfuzius)

 

Dienstag, den 5.Dezember 2006

 

Oranjerus - Sandpipercresent

 

Mit Sonnenaufgang sind wir reisefertig und folgen dem Fluss. Die gegräderte Strasse führt sehr abwechslungsreich etwa 15 Kilometer flußabwärts, mal an den grünen Oasen am Orange vorbei und dann wieder durch riesige hügelige Steingärten.

Vor Keimoes überqueren wir den Orange, tanken im Ort und folgen dann der R 27 in Richtung Kenhardt und Brandvlei nach Calvina. Die Gegend wird karg und die Augen sehen weit.

Kurz hinter Calvina biegen wir von der R 27 ab auf die R 355. Sie führt über den Bloukranspass (einen gleichnamigen Pass gibt es an der Gardenroute) nach Ceres. Wir sind gespannt, ob die 200 Kilometer gegräderte Piste nach Ceres eine Abkürzung ist. Die andere Möglichkeit ist auf der geteerten R 27 über Nieuwoudville weiter bis zur N 7 zu fahren.

Immer wieder zieht sich die gut fahrbare Piste bis zum Horizont durch eine wüstengleiche Hügellandschaft. Alles ist vertrocknet, es muss lange nicht mehr geregnet haben. Als wir die Abzweigung zum Tankwa Karoo Park passieren, haben wir gerade die Hälfte der Strecke hinter uns.

Mitten in der trostlosen Einöde begegnen wir einem beladenen Eselskarren. Außer diesem einsamen Gefährt und zwei wild rasenden Toyotas, sehen wir weder Menschen noch Tiere. Nur der Ort De Bos überrascht uns durch seine grünen, bewässerten Felder, ansonsten bleibt die Landschaft trocken und karg bis wir die Ausläufer der Swartruggens vor Ceres überqueren.

Von oben glitzern die Wasserspeicherbecken in der Sonne und so weit das Auge reicht wächst Obst. Die R 46 bringt uns nach Ceres, etwa 13 000 Menschen leben hier. In dem ruhigen beschaulichen Ort befinden sich große Anlagen zur Obstverwertung. Ceres war der Name der römischen Göttin des Ackerbaus, also sehr passend für den vom Obstanbau lebenden Ort.

Für die Weiterfahrt wählen wir die R 301, und genießen die landschaftlich schöne Strecke über Wellington und den Bains Kloofpass. Die schmale Straße schlängelt sich stetig ansteigend nach oben und von dort liegt uns auf der anderen Seite die Weingegend von Paarl zu Füssen.

Nun ist es wirklich nur noch ein kleiner Hüpfer nach Kapstadt. Es dauert nicht lange und wir stehen im Feierabend Verkehr von Table View. Im Schritttempo nähern wir uns auf guter Asphaltstraße, weit abseits der nicht ausgetretenen Touristenpfade, unserem Zuhause.

 

Letztes Betthupferl

Ein Schiff ist nur im Hafen und ein Auto ist nur in der Garage sicher, dafür wurde aber beides nicht gebaut und manche Menschen leben so vorsichtig, dass sie wie neu 90 Jahre alt werden.

(aus zwei Zitaten eins gemacht, weiß nicht mehr von wem)

 

Endkilometerstand 89.487, gefahrene KM 7.965
 

  Unsere Tour auf Google Earth 1. Südafrika Abfahrt

2. Namibia

3. Botswana

4. Südafrika Rückfahrt

 

 

Startseite www.sandneurosen.com

        


 

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