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Füssen – Venedig
Transalp mit dem Rennrad
26.06.2011 - 01.07.2011
Um auf google maps zu sehen wo wir entlanggefahren sind klicke auf den nachfolgenden Link:
Sonntag 26.06.2011
Buching - Fernpass - Sölden
Abfahrt 7 Uhr, Kilometer 33,33. Der Bowdenzug reißt. Während Uwe den Schalthebel untersucht, habe ich Zeit, den angebrochenen Tag kurz zu resümieren.
Es ist kalt und der Himmel hängt voller mausgrauer Wolken. Die Beine fühlen sich kalt an, mit 14 Grad eigentlich kein Kurzhosenwetter. Die Tagesvorgabe, das gewünschte Ziel dieser ersten Etappe zu erreichen zerrinnt hier am Straßenrand in Heiterwang.
Das Frühstück bestand nur aus einer Tasse Kaffe, so blieb es nicht aus, dass schon in Reute der Magen knurrte und ich im Rucksack nach dem Nudelsalat wühlte. Der Magen hörte auf zu knurren und der leere Becher wanderte in den Karren vom Müllmann, der knurrend unser “Guten Morgen“ erwiderte. Am Brunnen wusch ich den Löffel, er gehört zum guten Besteck, ich wollte ihn eigentlich gar nicht mitnehmen, und wegschmeißen will ich ihn schon gar nicht…jetzt noch nicht. Aber wer weiß was noch kommt, wenn ich irgendwo gegen 17% Steigung antrete und der Rucksack schwer und schwerer wird. Uwe schmunzelte, als er den Löffel wiegend in der Hand hielt: „Der hat aber eine schöne Reise vor sich.“
Hinter Reute ging es den Ehrenbichler Berg hoch, Autos brummten vorbei, eines am anderen, eine ununterbrochene Schlange. Der Anstieg machte warm und es folgte die entspannte Abfahrt nach Heiterwang. Ich kauerte mich über den Lenker um mich möglichst vom Windschatten mitziehen zu lassen, obwohl ich grundsätzlich trotzdem immer wieder treten muss um dran zu bleiben. Der Rucksack von Uwe ist voll gepackt, ich konnte mir nicht verkneifen vorzurufen: „Was hast Du denn alles im Rucksack, lauter Überraschungen?“ Anstelle eines Ja, rappelte seine Schaltung, ich hörte ein unanständiges Wort mit Sch... und er bremste.
Haltlos baumelte der gerissene Bowdenzug am Rahmen.
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| Die ersten Radler überholen uns | Fernpass bei viel Sonntagsverkehr |
Endlich, Sonnenstrahlen brechen durch die Wolken, das tut gut. Das Werkzeug wird wieder eingepackt. Die improvisierte Reparatur erlaubt auf dem hinteren Ritzel nun nur noch den dritten Gang. Das Drahtende ist am Flaschenhalter festgezurrt und fixiert so das Schaltauge auf Position 3. Damit pedaliert Uwe den Fernpass (1209m) hoch. Nach der Abfahrt gönnen wir uns eine kleine Pause in Nassereith. Der dicke Rucksack öffnet sich, ich staune… 1,5 Kilo Trockenobst machen sich auf den Weg über die Alpen, nach Venedig. Uwe sieht meine gerunzelte Stirn und meint: „Das kann man essen, Deinen Löffel nicht.“ Hilfsbereit kaue ich auf einer Handvoll getrockneter Mangos herum, der Speichelfluss will nicht so recht einsetzen.
Die Straße führt durch das Gurgeltal nach Imst, hier ist der Abzweig auf das Hahntenjoch. Wir überqueren den Inn und biegen ab ins Ötztal. Der Verkehrsstrom reißt keine Sekunde ab. Die Sonne brennt, wir wollen wenigstens noch die 35 Kilometer bis Sölden. Dröhnend rauschen Motorräder und Autos vorbei, es ist so laut, das weder die sprudelnde Ötztalerache, noch der mächtige Wasserfall zu hören ist. Unbarmherzige 35 Grad zeigt das Thermometer.
Mühsam erstrampelte Höhenmeter verlieren sich hinter der Kuppe in einem langen Gefälle, die Beine freuen sich über die kleine Erholungspause. Aber danach geht es ganz stetig bergan, bis Sölden auf 1377 Meter. Das Rad kommt gleich in die Werkstatt, es soll morgen früh um 9 Uhr fertig sein. Die meisten Pensionen und Hotels haben geschlossen. Im Gasthof Lärchenpark direkt am Bach, wird man gut und günstig beherbergt. Wir pilgern zu einer der wenigen offenen Kneipen, ich freu mich, wie leicht es sich läuft ohne den Rucksack. Uwe hat dann und wann trainiert, ich mache das ohne Vorbereitung, sozusagen als Naturtalent. Als ich im Bett liege und ein Gänsehautschauer über meinen Körper läuft, frage ich mich ob das Talent reicht.
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| Die Rodlerhütte ist geschlossen | Kein Tabledance im Söldener Sommer |
Die Kirche in Sölden ist urkundlich 1288 erstmal erwähnt und eines der wenigen alten Gebäude im Ort zwischen den Hotel und Partyburgen. Hier ist im Winter halligalli, Sölden ist der Ballermann des Wintersports. Wer in die Rodelhütte geht, geht nicht rodeln, sondern in eine Tabledancebar.
Tageshöhenmeter 1585, Tageskilometer 130, Tagesfahrzeit 7,15 Std, Durchschnitt 17,7 km
Montag 27.06.2011
Sölden – Timmelsjoch – Meran
Das Rad ist nicht repariert, der kleine Rest des Bowdenzugs lässt sich nicht entfernen. Der Monteur hat Angst das ganze Ding kaputt zumachen und stellt das Problem als irreparabel dar. Mit ein wenig Nachdruck geht es dann doch. Alle freuen sich mit uns und wünschen eine Gute Fahrt auf den Timmel, wie die Einheimischen das Timmelsjoch nennen.
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| Hochgurgl kurz vor der Abfahrt nach Vent | Kapelle mit Gemälde über Lawinenunglück |
Auto und Motorradfahrer liefern sich unter stahlblauem Himmel private Wettrennen auf der Passstraße. Die grasenden Kühe am Straßenrand beeindruckt das gar nicht und ich gewöhne mich auch daran, dass ständig irgendwas haarscharf an mir vorbei fährt, während mein Blick Alpenrosenmeere und Knabenkrautwälder einfängt. Die Beine sind heute schon viel besser in Schuss als gestern und es macht riesig Spaß diesen Berg hinaufzufahren.
Kraftfahrer müssen einfach 12 Euro berappen um die Passtrasse zu befahren. Wer mit Muskelkraft hoch kommt, genießt kostenfreie Fahrt über den Pass.
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| Blick auf das Venttal | Blick auf die Rest des Ötztalgletschers |
Das Wasser der Ötztalerach ist schlammiggrau, viel ist vom ewigen Eis nicht mehr zu sehen. Es gibt ein Ötzimuseum, Ötzi selbst wird seit 1998 in Bozen im Archäologiemuseum präsentiert. Ein ausgeklügeltes Kühlsystem sorgt für besten Gefriertrockungsgrad. Es ist schön über kalte Temperaturen nachzudenken, aber es macht die 33 Grad auch nicht kühler. Erst auf der Kuppe weht eine angenehme Briese. Ein Tunnel ist das Tor zu Italien, um 20 Uhr wird hier zugesperrt. Wer daran denkt außen herum gehen zu können, darf sich auf eine Gratwanderung einrichten. Es ist nicht empfehlenswert zu spät zu kommen.
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| Trikebiker auf ihrer Funtour | Letzte Schneewächten |
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| Auf der Passhöhe Timmelsjoch angekommen | Abfahrt ins Adigetal |
Kilometerlang und kurvenreich führt die Abfahrt ins Tal. Wir durchfahren unzählige finstere Tunnel mit gefährlichen Schlaglöchern, dicke Wassertropfen fallen von der Decke, dröhnend rauschen die Fahrzeuge heran. Meine Finger und Arme fangen an zu schmerzen und der Griff um die Bremshebel wird so verkrampft, dass eine Pause beim Brückenwirt angesagt ist.
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| Panoramakurve | Gabi durchstöbert Uwes Rucksack nach unnützen Dingen |
Durch die geordneten Apfelbaumgalerien radeln wir weiter nach Meran. Hübsch ist es dort und gemütlich. Die Menschen bewegen sich ganz langsam, schwitzen aber trotzdem. Auf dem Radweg geht es weiter Richtung Bozen, das Tagessoll ist erfüllt. Im Hotel Förstlerhof bei Burgstall kommen wir sehr schön unter.
Tageshöhenmeter 1414, Tageskilometer 85, Tagesfahrzeit 6 Std.
Gesamtkilometer 219, Gesamthöhenmeter 2976, Max Steigung 17 %, Zeit gesamt 13
Std
Dienstag 28.06.2011
Meran – Karerpass – Predazzo – Bellamonte
Im Vintschgau, dem Apfel und Weinland führt der traumhaft schöne Radweg entlang der Etsch neben Eisen-, und Autobahn nach Bozen.
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| Pizza beim Brückenwirt | Palace in Meran ist leider ausgebucht | Trockenobst gefällig? |
Wir folgen dem braunen Hinweisschild Eggenschlucht und steuern so zielsicher durch Bozen zum Abzweig auf den Karerpass.
In den ersten zwei Tunnel liefern wir bei 7% Steigung schon die 200 Höhenmeter ab. Es geht so weiter immer bergan, bei einer Temperatur von 33 Grad. Es folgt keine spürbare Flachetappe. Der Inhalt der Trinkflaschen hat schon längst die Umgebungstemperatur angenommen, Abkühlung gibt es nur in den Tunneln.
Der Karersee ist über die Ufer getreten, Wege und Zäune stehen tief unter dem kristallklaren und eisig kalten Wasser. Die Bäume werden kleiner und schlagartig wird der Blick auf die Dolomiten frei. Mächtig ragen die prächtigen Gipfel des Rosengartens in den Himmel.
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| Karersee | Hotel vor dem Rosengarten |
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| Rosengarten | Karerpass |
Dieser Anblick verleitet zum ausgiebigen Stehenbleiben. Entsprechend motiviert pedalieren wir weiter, es fehlen noch 150 Höhenmeter zum Karerpass. Über die kahle Passhöhe weht ein eisiger Wind, der Blick auf die aufstrebenden Gipfel der Marmolada ist faszinierend. Es rollt angenehm hinunter nach Vigo di Fassa, dort mündet die Karerpassstraße auf die Große Dolomitenstraße. Ohne viel Strampeln fliegen wir durch das Val di Fiemme und erreichen Predazzo. Das Dorf ist einladend hübsch, man könnte bleiben. Aber es ist noch früh und wir fühlen uns fit. Also weiter in das Val di Travignolo nach Bellamonte. 300 Höhenmeter durchgehend 9 - 11% Steigung in flirrender Hitze bei 35 Grad. Der Aufwind streicht schneller an mir vorbei, als ich es schaffe das Rad den Berg hoch zu treten. Die Sonne leckt den Schweiß von der Haut. In der Pension gegenüber vom kleinen Laden, übernachten wir mit Halbpension, sehr empfehlenswert.
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| Hallbergmoos, Partnergemeinde von Predazzo | Gabi beim Karten studieren |
Tageshöhenmeter: 1858, Tageskilometer: 85, Tagesfahrzeit: 6 1/2 Stunden
Gesamthöhenmeter 4834, Gesamtkilometer 304, Maximalsteigung 17 %,
Höchstgeschwindigkeit 76,5, Gesamtzeit 19 1/2 Stunden,
Durchschnittsgeschwindigkeit 15,5
Mittwoch 20.06.2011
Passo Rolle - Treviso
Genau wie gestern aufgehört geht es heute Morgen weiter, mit 9% Steigung, aber sieh an, nur noch über eine Kuppe. Etliche Kilometer lässt sich die Straße jetzt ohne nennenswerte Beinarbeit befahren, doch schon vor dem Lago di Paneveggio nimmt die Steigung wieder zu bis auf den Kamm vom Passo Rolle. Der gesamte Streckenverlauf ist traumhaft. Es ist angenehm kühl am Morgen und um die frühe Stunde sind kaum Fahrzeuge unterwegs. Zwischen den hohen Fichten blitzen die Spitzen der Dolomiten hindurch. Der Cimon della Palla ist 3184 Meter hoch und zeigt sich wolkenlos als wir auf der Passhöhe ankommen.
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| Rollepass erreicht | Abfahrt durch eine faszinierende Dolomitenlandschaft |
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| Ein letzter Blick auf die schroffen Dolomiten | In Richtung Feltre |
Ein starker Gegenwind bremst den Abwärtschwung der kilometerlangen Abfahrt in das charmante Dorf S. Martino, das touristisch sehr schön aufbereitet ist. Weiter unten passieren wir den idyllisch gelegenen Staudamm und fast ohne zu treten erreichen wir Feltre. Die Piave fließt hier als ein dünnes Rinnsal, Feltre selbst ist wenig aufregend. Ich will hier nicht bleiben. Wir beschließen noch nach Treviso zu fahren und arbeiten hart daran, die 250 Höhenmeter auf 50 Kilometern abzubauen. Es geht nicht spürbar bergab und die belebte Verkehrssituation ist sehr anstrengend. Der angenehme breite Seitenstreifen hinter Feltre verliert sich nach 20 Kilometern. Das Fahren auf der weißen Line erfordert viel Konzentration. Zudem muss ich noch das Hinterrad von meinem Vordermann im Auge behalten, um bei dem vorgelegten Tempo zwischen 25 und 30 Sachen, nicht den Anschluss zu verlieren. Mittlerweile habe ich mich an das kurze Hupen gewöhnt, dass wohl sagen soll: “Hallo ich komme und fahre gleich im Abstand von 40 cm an Dir vorbei.“ Die LKW saugen uns regelrecht mit, und wenn mehrere hintereinander anrauschen verleiht das richtig Schwung.
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| Unterhalb einer Staumauer | Unser Hotel in Treviso Ecke links hinten | Hauptplatz von Treviso |
Endlich das Schild Treviso, aber es geht noch ein gutes Stück durch Vororte bis der zauberhafte Stadtkern erreicht ist. Die Innenstadt und der Hauptplatz sind schön herausgeputzt, die Sehenswürdigkeiten einen Besuch wert. Mittendrin das Hotel Focolare, klein aber fein, wir mieten uns ein. Vom Platz klingen Stimmen herauf, Bestecke klappern, Kinder und Frauen lachen, weich wiegen sich die Vorhänge im Wind. Erst spät wird es ruhig auf der Gasse und die Menschen gehen nach Hause, dann klopft es, Regen klopft an die Fensterscheiben.
Tageshöhenmeter 802, Tageskilometer 125, Tagesfahrtzeit 6:28
Gesamthöhenmeter: 5636, Gesamtkilometer: 429, Gesamtfahrtzeit: 29
Donnerstag
30.06.2011
Treviso – Venedig
Früh am Morgen lärmt es, Glas klirrt, Lkws brummen, die örtliche Müllabfuhr und eine Pflasterkehrmaschine dröhnen durch die Gassen. Die Straße ist noch nass, der Regen hat keine Abkühlung gebracht. Die Schwüle liegt wie ein schwerer Teppich über den Gassen.
Es sind nur noch 38 Kilometer nach Venedig, ein Katzensprung. Rege fließt der Verkehr in die Stadt hinein. Das Hotel Il Mercante di Venetia befindet sich 200 Meter neben dem Bahnhof, wir mieten uns ein. Das Lagunenstädtchen quillt über vor Menschen, wir mitten drin, allerdings nicht mit den Rädern, die sind im Hotel geblieben.
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Dahinten muss Venedig sein |
Canale Grande |
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| St. Marcus Kirche | Campanile |
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| Glanz vergangener Zeiten | Ecke Dogenpalast | Mitten durchs Getümmel |
Venedig ist anders, als ich es mir vorgestellt habe. Ich sah Gondoliere beschaulich durch die Kanäle schippern und die Fahrgäste entspannt ein Glas Champagner genießen. Aber die Betriebsamkeit in dieser Stadt und auf den Wasserwegen ist enorm. Mit einem Ticket für 13 Euro kann man den ganzen Tag den öffentlichen Schiffsverkehr nutzen. Zu Stoßzeiten ist das Gedränge auf den Booten nicht weniger groß als in den schmalen Gassen um den Markusplatz. Das Thermometer zeigt 36 Grad an, aber fast alle Stühle der Kaffeehäuser sind leer. Liegt es daran, dass 0,4 Liter Bier 8 Euro kosten? Viele Touristen sitzen auf Treppen, Brücken oder Mauern, ruhen sich aus, entspannen und genießen. Abends beim Rucksackpacken für die Heimfahrt kommt ein Löffel zum Vorschein und ein Beutel Trockenobst.
Tageshöhenmeter 0, Tageskilometer 35, Tagesfahrtzeit 2
Gesamthöhenmeter: 5636, Gesamtkilometer: 464, Gesamtfahrtzeit: 31
Freitag 1.07.2011
Venedig – Reute/Vils – Buching
Um 7.41 fährt der Zug in Venedig los nach Verona, dort bekommen wir die Karten für den Anschlusszug um 11 Uhr 50 an den Brenner.
In Verona füllt sich das Radlerabteil schnell mit 12 Personen, die alle auf den Brenner wollen. Bei der Dame hinter mir wird es laut, es geht um das Ticket. Der Schaffner wird noch lauter und alle Köpfe wenden sich auf das streitende Paar zu. Ganz schnell wird klar, dass alle das gleiche Problem haben wie die Dame, und in Augen des kleinen energischen Schaffners Schwarzfahrer sind. Die Tickets sind zwar ordnungsgemäß bezahlt, aber nicht mit dem Automaten am Bahnsteig entwertet. Dieses Vergehen kostet pro Person 50 Euro, dann dürfen wir weiterfahren, sonst haben wir an der nächsten Station auszusteigen. Keiner im Abteil will zahlen und noch weniger aussteigen. Die Diskussion wird immer obskurer, mehr aus Witz sagt ein Mitreisender: „Machen wir doch 5 Euro und nicht 50“. Der Schaffner kommt ins Grübeln und nachdem er kopfgerechnet hat, meint er: „Also gut, wenn Alle 25 Euro zahlen, dann dürfen Alle weiterfahren“. Wir sind so erbost über das korrupte Verhalten, dass wir darauf beharren gar keine Strafe zu berappen.
Der Zugführer ist jetzt entschlossen uns mit Polizeigewalt aus dem Zug entfernen zu lassen und ruft die Polizei am nächsten Bahnhof an. Als der Zug in Roveretto einläuft, steht der Uniformierte bereits am Bahnsteig und da wir keine Anstalten machen auszusteigen, kommt der Mann herein. Er ist groß und breit, seine Hände sind lässig in die Hüften gestemmt, aber die Waffe wird er nicht ziehen. Wir werden in aller Deutlichkeit aufgefordert das Abteil zu räumen. Um nicht Widerstand gegen die Staatsgewalt zu provozieren verlassen wir geschlossen unter Maulen und Murren den Zug. Uwe saust zu Ticketautomaten und entwertet die Tickets. Darauf hat der Schaffner nur gewartet und fuchtelt Uwe mit seiner Zwickzange entgegen. Uwe hält dem Polizisten das gestempelte Ticket unter die Nase. Der bestätigt, dass es nun gültig ist, aber der Schaffner bleibt bockig und beharrt darauf, dass wir mit dem nächsten Zug zu fahren haben. Während wir hier debattieren steigen 15 Radfahrer ein und füllen das Radabteil auf den letzten Platz. Uwe lässt nicht locker und diskutiert weiter mit dem Schaffner. Dessen Adern am Hals werden immer dicker, schließlich giftet er uns lautstark an: „Wir sind hier in Italien, DASS ist Italien!“ Und darauf scheint er auch noch richtig stolz zu sein.
Der Zug dampft ab, das bringt uns eine Verspätung von 2 Stunden ein. Uwe erkundigt sich, das Gespräch bringt folgende Auskunft: „Der Zugführer ist der Chef und wenn er einen Fahrgast nicht mitnehmen will, dann muss er das auch nicht. Allerdings sei dieses Verhalten eines Schaffners nicht üblich und die Fahrscheine hätte er mit seiner Zwickzange entwerten können.“
Wenn der Radwagon besetzt ist, bleibt man unter Umständen am Bahnsteig stehen. Ist die Zugkarte einmal entwertet, hat sie nur noch 6 Stunden Gültigkeit, danach verfällt sie und zu einer Übernachtung kommt dann noch die Anschaffung neuer Tickets hinzu.
Von Roveretto zum Brenner erleben wir gar keine Kontrolle. 6 Minuten bleiben für das Umsteigen in den österreichischen Zug. Dort kaufen wir das Billett für die Weiterfahrt ab Brenner und können durchlösen über Innsbruck, Garmisch und Reute nach Vils. Im deutschen Zug ab Garmisch, werden noch mal die Räder abkassiert. Wir diskutieren nicht mehr, denn es ist bitter kalt in Deutschland. Die Berggipfel haben alle Schneemützen auf und dies ist der letzte Zug, der heute noch fährt. Es macht bestimmt wenig Spaß hier rausgeschmissen zu werden und heim zu radeln. In Vils werden wir abgeholt und während wir nach Hause chauffiert werden, ziehen wir das Resümee dieser gelungenen Rennrad Transalp.
Gesamtrucksackgewicht 8,5 kg und 6,5 kg
Gesamtpannen 1
Gesamt Höhenmeter 5636
Gesamtkilometer 464
Gesamtfahrzeit 31
Gesamtgewichtsverlust -2 kg und + 2 kg = 0 kg
Gesamtkosten rund € 1.500,--
Gesamt Spaßfaktor 100 %
Verlangt nach Wiederholung
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Touren |
Untertouren TA |
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Rezensionen |
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sonstiges |
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