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Teil 4


Am nächsten Morgen gönnen wir uns einen ausgiebigen Rundumblick. Schon entdecke ich frische Leopardenspuren. Sollten wir nicht doch ein bisschen länger verweilen und uns vielleicht näher am Wasser positionieren? Aber wir sind nicht allein unterwegs, also weiter. Der Weg ist stark ausgewaschen und steinig. Wir kommen an Himbahütten vorbei, und wie so oft wird rege gebettelt. Überall sehen wir Ziegen, die von Fliegenscharen begleitet werden. Im Hoanib hoffen wir auf Tiere, Tiere, Tiere; doch sie bleiben vorerst aus. Dann endlich vier Elefanten… nur 4(!), sonst noch sechs Giraffen und drei Oryxantilopen, das ist alles, was wir in diesem wilden Flussbett zu Gesicht bekommen. Kurz vor Beginn des Skeleton Coast Nationalparks verlassen wir den Hoanib und rollen über ätzendes Waschbrett gen Norden, Richtung Hoarusib/Purros. Die Landschaft ändert sich ständig, über staubig-sandig, steinig, geröllig und oft ohne Bewuchs. Und das Waschbrett bleibt. Am Hoarusib dann Sand, viel Grün und Schilf. Uwe und Heiko wollen die Fahrt im Flussbett versuchen, doch schon nach ein paar hundert Metern stehen wir vor Wasser und tiefem Matsch. Hier wird es wohl nichts mit einer Trockenflussbett-Befahrung und so geht es auf Umwegen durch eine wüstenartige Region Richtung Purros.

Unseren Nachtplatz in steiniger Landschaft verlassen wir früh. Wie wird uns der Hoarusib bei Purros empfangen? Ist das Flussbett hier trocken oder müssen wir durchs Wasser fahren, um auf die andere Uferseite zu kommen? Kurz gesagt, das Wasser fließt. Vor zwei Tagen soll es in Opuwo geregnet haben, wohl erst zum 2. Mal in diesem Jahr. Für die Bevölkerung alles andere als gut, und für uns keine Möglichkeit, das Flussbett von dieser Seite aus zu befahren. Und so queren wir zügig den Hoarusib und zuckeln dann mühsam durch das staubtrockene Flussbett des Gomatum in Richtung Tokamas. Hier erwartet uns wieder lausiges Waschbrett. Die Rüttelei zerrt wie so oft an den Nerven und wir sind froh, wenn wir ohne Schäden am Landy die Strecken hinter uns gebracht haben. Ohne Stopp erreichen wir am Nachmittag die Palmwag-Lodge. Jetzt wollen wir eigentlich nur noch Ruhe, eine heiße Dusche, um den Staub loszuwerden und Hunger haben wir auch. Doch am Platz ist richtig Trubel. Eine große Gruppe Amerikaner und Canadier mit Motorrädern hat hier ihr Lager aufgeschlagen und unterhält den Platz lautstark.

Wie so oft nutzen wir den Platz, um unser Auto zu entstauben und das Equipment zu reinigen. Und so kommen wir am Folgetag erst mittags los, fahren bis Bergsig und dann ab ins Flussbett des Springbok. Werden wir auch dieses Mal wieder Nashörner sehen? Der Weg zieht sich. Durch die großen Wassermassen im vergangenen Jahr hat sich die „Fahrspur“ im Flussbett verändert. Mühsam zuckeln wir voran, kommen an eine natürliche Wasserstelle/Quelle, wo sich ein paar Zebras tummeln. Doch kaum sehen sie uns, schon preschen sie davon. Die Landschaft im Flussbett ist ein Traum. Noch leuchtet gelbes, altes Gras, dahinter die roten, steinigen Hügel. Und dann… mittendrin… ein Nashorn. Wir haben fast nicht mehr daran geglaubt, eines der Tiere zu Gesicht zu bekommen. Fantastisch! Wir harren aus, hoffen, dass es noch näher kommt. Es ist immer wieder ein Erlebnis, diesen urzeitlich anmutenden Tieren in freier Wildbahn zu begegnen. Zur Krönung tauchen noch ein paar scheue Hartmann’sche Bergzebras in der roten Geröll-Landschaft auf. Was für ein Tagesabschluss. Wir bleiben auf einer Anhöhe stehen und genießen das tolle Abendlicht. Und in der Nacht hören wir in diesem steinigen Nichts tatsächlich die Rufe einer Tüpfelhyäne… wir lauschen, und schlafen irgendwann darüber ein.

Nächstes Ziel, der Huab-River. Entlang der rauen Piste immer wieder Rhino-Spuren, doch die Tiere sehen wir nicht. Das Desolation Valley präsentiert sich wie immer lebensfeindlich, staubig, windig und steinig. Auch das Flussbett des Huab ist bis auf einige nasse Stellen staubtrocken. Der puderige Sand fliegt, legt sich auf alles, was sich hier befindet. Und so kriecht er auch durch jede Ritze ins Auto, und bleibt. Mal sehen, was das Trockenflussbett so zu bieten hat. Das eigentliche Flussbett ist an dieser Stelle noch recht schmal, riesige Schilfareale zeigen, dass hier irgendwo Wasser ist. Wasser, das Lebenselixier für Elefanten und Co. An den Rändern des Flussbettes die typische, staubige, weitläufige Dünenlandschaft mit niedrigen Tamarisken. Unwirtlich, urig, rau, wild - es gibt viele Attribute für dieses Flussbett. Schon müssen wir es wegen steinigen Barrieren und Sumpfarealen verlassen, um später wieder in den traumhaften Galeriewald eintauchen zu können. Riesige, alte Anabäume spenden hier mitten im Flussbett Schatten und sind zugleich Nahrungsquelle für viele Tiere. Und dann sehen wir auch schon den ersten Elefanten. Es ist ein riesiger Bulle, der sich gemütlich durch die gelbe Blumenlandschaft und die Büsche frisst, und dabei direkt auf uns zusteuert. Ist das toll. Knapp einen Meter vor dem Auto wandert er langsam weiter. Man riecht das Tier, sieht seine knitterige Haut, sein Alter, spürt seine Gelassenheit. Ein tolles Gefühl, dem Tier so nah zu sein. Ganz langsam zuckeln wir weiter, treffen auf Giraffen… und wieder Elefanten, Elefanten, Elefanten. Uwe parkt den Landy rückwärts in einen Busch, ohne zu merken, dass dort gerade ein grauer Riese am Fressen ist. Jetzt aber stopp und Auto aus. Und dann vergeht die Zeit, immer mehr Dickhäuter tauchen rund um uns herum auf und frühstücken gemütlich. Eine Elefantenkuh stellt sich in aller Seelenruhe vor unseren Wagen, Wegfahren ist nun unmöglich. Atemberaubende Szenen, die Tiere „rüsseln“ zu uns und bleiben. Wir nutzen einen Elefanten-freien Moment, um den Platz zu verlassen. Ganz langsam rollen wir zu einer Bauminsel, wollen sie umrunden… und stoßen wieder auf Elefanten, dieses Mal auch auf die Kleinen. Und sie spielen und tummeln sich im Sand, was für eine Augenweide. Sie sind sorgenfrei, wissen ihre Mütter in der Nähe. Wir filmen und fotografieren, wissen schon gar nicht mehr, worauf am besten das Augenmerk richten. Es ist so herzerfrischend, grandios und zauberhaft, den kleinen Elefanten bei ihrem Treiben zuzusehen. Der Kleinste von ihnen rutscht den Sandhügel hinab, die Größeren machen es ihm nach. Und dann das Ganze wiederholen. Wir schauen, staunen, haben die Szenerie ganz für uns allein. Ganz unerwartet „besinnt“ sich einer der größeren, rutscht den Sandhügel hinab und steuert geradewegs auf uns zu. Huch, was wird das denn? Schon ist er am Landy, wirft sich mit der Breitseite gegen das Auto und verzieht sich dann. Zum Glück habe ich noch rechtzeitig die Kamera ins Wageninnere gebracht. Und was macht der Kleinste? Er schaut, erst zu uns, dann zu seiner Mutti, die plötzlich zwischen den Büschen wieder auftaucht. Boah, wenn das keinen Eindruck in unseren Köpfen und Herzen hinterlässt.

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